Speedcamp. Anfahrt. Die 600 km zum Slovakiaring.

Noch ein Frühstück wie jeden Montagmorgen, nur geht’s heute nicht ins Büro sondern in Richtung Ring. Oder auch erst einmal nicht. Die erste dreiviertel Stunde verbringe ich im Münchener Berufsverkehr. Naja, es ist halt Montag.
Endlich auf der Autobahn bekomme ich eine Vorschau auf den Tag: von oben zwar trocken, die Straße aber noch feucht und die Luft kühl. Da wird es wohl die ein oder andere Pause zum Aufwärmen geben…
Als nach 100 km der Tank zum ersten Mal leer ist bin ich ganz froh. Raststätte Hochfelln, noch nicht mal Österreich gibt es den ersten Kaffee. Und eine Zwiebelschicht mehr…
Motorradfahrer in Regenpelle
Gummipelle gegen Maikälte. Beides doof.

Weiter geht’s, 200 km bis zum wohl verdienten Burger bei der wohlbekannten amerikanischen Kette irgendwo bei St. Pölten. Wieder aufgewärmt schaffe ich es bis zum nächsten Tankstopp in der Nähe von Wien. Einen Verlängerten und Wiener Schmäh über Regenkombis und Fetische…

Kaffee mit Blick aufs Motorrad
Kaffee warm, Motorrad kalt.

Jetzt sind’s nur noch knapp 100 km, also runter der Autobahn. Statt Google darf jetzt kurviger.de führen. Der Wind nimmt dramatisch zu, ich fahre bereits auf der geraden Strecke die Reifenränder an, so fühle es sich zumindest an.

Motorrad und Windräder
Der Wind nimmt zu. Symbolbild.

Kurz vor der slowakischen Grenze komme ich noch durch einige Weindörfer, deren aufgereite Heurigen-Lokale aussehen wie aus Herr der Ringe.

Heurigen-Lokale
Frodo?

Kurz nach der Grenze fahre ich über die Straße, die bereits auf der Karte ausgesprochen interessant aussieht:

Motorrad am Donau-Ufer
Ein bisschen Straße ist noch zwischen all dem Wasser.

Das hier Kiter auf der Donau unterwegs sind versteht sich von selbst. Und das wenig später die Straße einer Fähre weichen muss ist irgendwie auch nicht verwunderlich…

Motorradfahrer auf Fähre.
Fahre Fähre.

Jetzt fängt es an zu regnen. Also nix wir zur Unterkunft. Später muss ich nochmals raus zum Ring, zur Anmeldung.

Motorrad vor der Anmeldung Slovakiaring
Was macht dieses alte Ding hier?

Besonders viel erfahre ich nicht über das morgige Training. Niemand kann mir sagen was ich am Motorrad vorbereiten muss oder nicht. Aber morgen um 9 Uhr gibt’s eine Einweisung, dann ist hoffentlich alles klar.

Aber eins weiß ich: jetzt bin ich die 83.

Startnummer 83
Call me by my number, baby.

Speedcamp. Approach.

Morgen geht es hin, übermorgen ist es dann soweit. Zum Frühbucherrabatt registriert nehme ich für einen Tag am Motorrad-Magazin.at Speedcamp auf dem Slovakiaring teil. Naß soll’s werden. Und ich habe Muffensausen ohne Ende.

Wie kam’s dazu? Mitten im Winter (da war es sogar noch kälter als heute) lese ich den entsprechenden Hinweis bei Horst Gangelberger auf Facebook. Frühbucherrabatt ködert jeden guten Schwaben und so klicke ich auf die 79 Eur für einen Tag auf dem Ring.

Danach beginne ich zu denken. Mit welchem Bike? Mit der 29 Jahre alten VFR?

Motorradfahrer und Honda VFR 750
Schau mir in die Augen kleines. Kannst Du rennen?

Wohl ja, denn die R nineT darf gemäß Lease-Konditionen nicht auf die Rennstrecke. Hält sie das aus? Wie komme ich hin. Natürlich auf dem Bike. Aber was mache ich wenn es umfällt, oder der Reifen nach einem Tag Ring nicht mehr für die Rückfahrt reicht? Ist der Reifen überhaupt etwas für die Rennstrecke.

Nun gut, es wird regnen. Da ist der Michelin Powerpilot mit etwas Profil vielleicht gar nicht so schlecht. Außerdem steht da auf der Web-Site, “für den ambitionierten Laien auch auf der Rennstrecke geeignet”. Volltreffer.

Also heißt es jetzt packen. Viel warmes Zeug, Klebeband für’s Licht. 10 kg Werkzeug. Kann nie schaden. Und einen Reservebrems- respektive Kupplungshebel.

Für alle die mitlesen wollen hier die Packliste. Und übermorgen die “hätte ich nicht / dringend gebraucht” Ergänzung. I’ll keep you updated.

Motorrad

  • Moped
  • Motorradschlüssel + Ersatzschlüssel
  • Brief (Herkunftsnachweis bei Grenzübertritt)
  • Kombi
  • Funktionsunterwäsche. Viel, weil kalt und nass.
  • Helm
  • Halstuch, Hassmaske
  • Stiefel
  • Handschuhe, inkl. Ersatzhandschuhe wenn das erste Paar duchnässt ist
  • Rückenprotektor
  • Ohrenstöpsel
  • Mütze
  • Regenkombi
Rennregenkombi. Geht laut Katalog “gut mit hochhackigen Schuhen”.

Normalerweise noch in dieser Rubrik, nehme ich aber nicht mit:

  • Reifen
  • Reifenwärmer
  • Verlängerungskabel, Doppelstecker

Technik

  • Werkzeug (Gebelschlüssel, Imbusschlüssel, Rätsche, Hakenschlüssel für VFR Kette, Kerzenschlüssel)
  • Panzertape, Klebeband zum verkleben der Scheinwerfer, Bremslichter
  • Kabelbinder (viele)
  • Lappen
  • Schrauberhandschuhe
  • Bremsbeläge
  • Sturzteile (Brems- und Kupplungshebel; Fußrasten und Schalt- bzw. Bremspedal habe ich keine rechtzeitig bekommen; keep fingers crossed)
  • Werkstatthandbuch (pdf)
  • Öl
  • Kettenspray

Da ich selber fahre nicht dabei:

  • Anhänger, Rampe zum Entladen
  • Montageständer
  • Pavillion
  • Heizlüfter

Weltliches

  • Laufschuhe
  • Kontaktlinsen, Brille
  • Wasser
  • Sonnencreme (yah, right)
  • Geld
  • EC-Karte
  • Handy, Ladegerät
  • Foto, GoPro
  • Zweite SD-Karte
  • Powerbank
  • Waschbeutel
  • Führerschein, Fahrzeugpapiere, Personalausweis
  • Medikamente, falls erforderlich

Wer auf eigener Achse anrollt:

  • Verbandskasten
  • Warnweste

 

Wir sind zurück.

Nach einem guten Jahr Pause, dank Schreibblockade und DSGVO sind wir zurück. Mit Datenschutzerklärung, Cookie Opt-Out, neuem Server und einer alten Bekannten: der BMW R NineT Racer. Frisch ausgeliefert wird sie die nächsten drei Wochen mein Begleiter sein.

BMW R NineT Racer vor grüner Hecke
Die kennen wir doch?!

Ich freue mich auf ein neues Jahr im Blog und darauf dass ich endlich wieder eine Ausrede habe biken zu gehen. Ich brauche ja Material für den Blog. In diesem Sinne, Open today, gone riding.

Letzter Beitrag – vorerst? Erdfunktstation.

Motorrad, Biker und Satelittenschüssel

Am 1. Mai ist Schluss. Zumindest für diesen lauschigen Blog. Grund dafür ist die DSGVO – die Datenschutzgrundverordnung der EU. Diese regelt in 11 Kapiteln und 99 Artikeln die Aufgaben und Pflichten von Webseitenbetreibern bezüglich Datenschutz. Grundsätzlich begrüßenswert, für private Blog-Betreiber mit mich jedoch nicht umsetzbar. Schon gar nicht mit WordPress, der Blog-Engine, den diese Seite nunmal verwendet. Und in diesem unserem Land, in dem übrigens als einziges in Europa auch private Institutionen den Datenschutz abmahnen dürfen, ist mir das zu riskant. Also gehen am 30. April die Lichter aus. Mal sehen ob ich im Sommer ein paar Wochen Zeit habe, die notwendigen Veränderungen vorzunehmen.

Passend aber zu guter letzt: der Trip zur Erdfunkstelle (!!) Raisting. Irgendwo habe ich diesen Ort als Fotomotiv gesehen. Damit ist er eine hervorragende Ausrede für einen Kurztrip vor dem Frühstück.

Erdfunkstelle Rating
Ist das Foto tatsächlich unscharf?

Die Kombination aus Oberbayern und Technik wirkt tatsächlich eigenwillig und fotogen. Die Kapelle inmitten der Parabolantennen ist wohl die Lederhose in Roman Herzogs “Symbiose aus Laptop und Lederhose”.

Und ich bin der Marsmensch vom anderen Stern.

Blick vom Norden auf die Alpen und die Erdfunkstelle
Ach ja, und Berge waren auch noch.

Zurück dann noch am Ammersee vorbei…

Blick auf den Ammersee am Dampfersteg
Oh mir tut das Herz so weh, wenn ich auf den Ammersee.

… und – zack – sitze ich mit Kind und Kegel am Frühstückstisch.

So, lieber Blog, war schön mit Dir. Vielleicht bis bald.

Lost Places #1: Geisterkirche Thomasbach.

Honda VFR 750 F vor Thomasbach

Saisonstart. In den Bergen liegt noch Schnee, das weiß ich, da war ich gestern. Also bleiben wir erst einmal im Flachland. Da gibt es noch ein Ziel, das ich schon lange vor mir her schiebe: das Geisterdorf Thomasbach mit Kirche und Bauernhof irgendwo in Niederbayern.

Bike und Biker im Sonnenenaufgang
Belichtungstechnisch nicht optimal, würde ich sagen.

Es ist ein wunderschöner Morgen. Wie im April eben noch etwas kalt und feucht, aber mit jeder Minute gewinnt die Sonne an Kraft. Und in der aufgehenden Sonne ergeben sich auf dem Weg in den Münchener Osten ein Panorama nach dem anderen.

Honda VFR vor grüner Wiese
Neues Mopped vor 90er Jahre Wiese. Oder war das anders herum?

Da ich aber versprochen habe zum zweiten Frühstück zurück zu sein spare ich mir die meisten Fotos. Es sollten noch genügend folgen.

Zwischen Schlüpfing und Exing (kein Witz) liegt von der Straße aus gut sichtbar die Kirche und der Bauernhof Thomasbach. Die letzten Meter gehen zwar durch die Wiese, aber selbst mit einem Sporttourer sind Kirche und Bauernhof gut zu erreichen.

Kirche Thomasbach aus der Motorradperspektive
Wir bitten Sie vor der Aufnahme die Stiefelsohlen zu reinigen.

Kirche und Bauernhof stehen offen und sind gut zugänglich. Die Kirche ist viel größer als gedacht. Und tatsächlich seit längerem verlassen.

Motorrad vor der Geisterkirche Thomasbach
Mopped (links) und Kirche (rechts).

Ein paar Teelichter im Inneren zeigen, dass wohl gelegentlich ein paar Jugendliche die Ruhe nutzen. Aber heute bin ich der einzige Besucher hier.

Kirche Thomasbach von innen
Wenig Betrieb heute. Trotz Sonntag.

Der Altar steht noch im Altarraum, auch die alte, hölzerne Empore ist noch in Takt. Es zieht durch die teilweise offenen Fenster. Ein schöner Ort.

Die VFR in Thomasbach. #veefer #lostplaces

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Ein paar hundert Meter weiter steht der verlassene Bauernhof.

Motorrad vor Bauernhof Thomasbach. Der Fahrer schaut durchs Fenster.
Hallo, ist jemand zuhause?

Auch hier stehen alle Türen auf, ein alter Herd und die Reste eines Bettes stehen bzw. liegen in den Räumen, von deren Wänden schon lange der Putz blättert.

Eine Fülle von Fotomotiven ergeben sich aus der alten, zerfallenen Kulisse in Kombination mit dem blauen Himmel und der erwachenden Natur. Über eine Stunde verbringe ich an diesem Ort. Dann wird es langsam aber sicher Zeit für eine Rückkehr. Denn ein spätes zweites Frühstück nach 13:00 ist schon ganz schön spät.

Ach ja. Die Tour an sich? Schöne Nebenstraßen, mal kurvig, mal sehr gerade. Nicht spektakulär. Aber gut für den Saisonstart. Und in diesem Fall ist tatsächlich einmal das Ziel der Weg. Oder so.

Kirche Thomasbach gesehen durch die Felge der Honda VFR
Notiz an mich selbst: bitte nächstes Mal die Felge putzen.

Die Tour zum Nachfahren:

Click title to show track
Geisterkirche Thomasbach

2018-04-08 0738__20180408_0738

 

2018 wird Vintage!

Abgebaute Front der VFR

2018 gibt es keine neue BMW für mich. Stattdessen darf die Grand Dame aus dem Stall, meine Honda VFR 750 F aus dem Jahre 1990 zurück auf die Landstraße. Die letzten Jahre war die VFR immer dann dran, wenn die neue BMW noch nicht oder nicht mehr da war. Also vor und nach der eigentlichen Saison. Dann oft auf versalzenen Straßen, mit Laub oder Split. Keine dankbare Aufgabe. 2018 wird also das Jahr der VFR. 2018 wird vintage!

Genug der lobenden Worte. Denn es gibt auch einen Grund für das Garagendasein. Technische Probleme. Überall. Also ran an den Werkzeugkasten.

VFR Front ohne Verkleidung
Da ist doch hoffentlich nichts schlimmes passiert?

Auseinandergebaut ist schnell, von zwei festgerosteten und folgerichtig abgerissenen Schrauben abgesehen. Und jetzt ist die alte Dame erst einmal richtig rattig.

VFR ohne Verkleidung von der Seite
Da fehlen doch ein paar Teile?!

Es fehlt an der Elektrik, es fehlt an der Hydraulik und es fehlt – leider – NICHT am Rost.

VFR Krümmer, verrostet.
Krümmer-Camouflage.

Doch der Reihe nach:

    • Ölwechsel, easy, check.
    • Kühlwasserwechsel, check.
    • Wechsel Hydraulikflüssigkeit für die Kupplung. Eigentlich auch einfach, aber irgendwie schwimmen da lauter Partikel im alten Öl. Daher spülen, spülen, spülen. Check.
    • Gebrochene Verkleidungsteile kleben. Interessanterweise ist die Verkleidung an fünf Stellen gebrochen. Erstaunlich, dass da noch nichts weggeflogen ist… Gewebematte und 2K-Kleber lösen das Problem.
Gebrochenes Verkleidungsteil der VFR
Ups, kaputt. Ich war’s nicht!
  • Sitzbank. Aufgerissen, unschön, alt. Das habe ich aber vom Profi machen lassen. Die Sitzbank war für zwei Wochen bei www.bikepolster.de  toller Kontakt, schnelle Lieferung und tolle Qualität. Empfehlung!
  • Cockpit-Beleuchtung. Bitte nicht lachen. 6 Birnen, alle kaputt, alles dunkel. Klingt einfach, kommt man aber nur ran, wenn die Verkleidung und die Front komplett abgebaut ist. Japanische Wartungsfreundlichkeit eben.
  • Verrostete Krümmer: Drahtbürste auf Akkuschrauber, und damit die losen Teile entfernt. Mit Ofenrohrlack konserviert. Sieht wieder richtig schick aus und verschwindet (leider) unter der Verkleidung.
  • Viel Kleinzeug beim Wiederzusammenbau.

Karfreitag war dann alles fertig, die Elektrik funktioniert, der Motor springt an und die Maschine läuft.

Karsamstag also raus auf die Straße. Und es ist wie es sein muss: Herbst. Kalt, Regen. Aber das Mopped wie neu. Und die Saison geht ja noch ein paar Tage.

VFR und Fahrer renoviert.
Schöne Blechwand im Hintergrund.

Für die Statistik: Kilometerstand bei der “Wiederinbetriebnahme”: 110.385 km.

 

Good bye R nineT Racer.

Heck der BMW R nineT Racer

Es ist das Ende einer kurzen Ära. Im August habe ich die R nineT Racer übernommen. Nur etwas mehr als 1.500 km habe ich auf die Uhr gebracht. Und jetzt ist die Saison zu Ende. Zumindest für ein Lease-Bike.

BMW R nineT Racer in der Tiefgarage
Schaut ein wenig traurig drein.

Es war ein schönes Techtelmechtel. Noch nie wurde ich so oft auf mein Motorrad angesprochen. Nie zuvor hat mir ein LKW-Fahrer an der Ampel “two tumbs up” gezeigt. Und keines meiner Moppeds war so schick.

BMW R nineT Seitenansicht.
Konsequent. Für Menschen mit leichtem Gepäck.

Darum fällt der Abschied zugegebenermaßen schwer. Morgen geht’s zum Händler. Und dann ist Wintersaison.

Seid Ihr eigentlich mit Snowboard-Content als Winterprogramm einverstanden? Wir werden das mal ausprobieren. Kommendes Wochenende geht’s los!

BMW R nineT von vorne.
Good bye summer. Hello winter.

Indian Summer – der große Ahornboden leuchtet.

BMW R nineT Racer am grossen Ahornboden

Brückentag in Deutschland und zumindest ein Vormittag ohne Termine im Büro. Rauf auf die R nineT Racer, die sich sichtbar in der Tiefgarage langweilt. Der Tag startet in München mit strahlendem Sonnenschein, Google warnt bereits vor einsetzendem Regen am Nachmittag. Also Pulli an und los.

In Schäftlarn fahre ich von der Autobahn. Über einige Bäume wehen restliche Nebelfetzen. Als ich in Richtung Kloster das Isarufer hinabfahre bin ich plötzlich mittendrin. Frühnebel. Feucht. Kalt. Wunderschön.

Motorrad, Bodennebel bei Schäftlarn.
Brrrr. Noch kalt.

Auf der anderen Seite wieder rauf verlasse ich den Isar-Nebel. Herbstliche Farben leuchten in der Sonne. Und meine Mit-Brückentagler haben alle vergessen aufzustehen. Nix ist los auf den Straßen, die häufig noch nass und durch das Laub anständig rutschig sind. Also heute bitte anständig fahren, der Herr.

Motorradfahrer auf Allee in herbstlichen Farben.
Rollin’ durch den Herbst.

Nach Bad Tölz, Lenggrieß und einem Frühstück in einer kleinen Bäckerei in Fleck (dringende Bäckerei-Empfehlung auf der Durchreise nach Süden!) erreiche ich den Sylvensteinspeicher. Die Brücke über den Speichersee ist schwer pittoresk, mit den restlichen Wolken in den Bergen fast noch ein wenig hübscher als sonst.

Brücke über den Sylvensteinspeicher
Die Straße aus zahlreichen Auto-Werbeaufnahmen.

Nach dem Speichersee und Fall bleibt die Wahl zwischen zwei Mautstraßen. Die Entscheidung ist vorher schon gefallen, und die 3,50 Euro gut investiert. Rein geht’s in über Vorder- und Hinterriß nach Eng. Eine zunehmende Anzahl an geparkten Autos und Menschen mit großen Fotoapparaten säumen den Weg. Ich bereue bereits, das leichte Gepäck der Spiegelreflex-Kamera vorgezogen zu haben. Die Landschaft ist umwerfend schön. Alle paar Meter muss ich anhalten. Und staunen.

BMW R nineT Racer am grossen Ahornboden
Kitschig bunt. Mit Ansage.

Vermutlich gibt es diese Szenerie mit ihren bunten Farben nur wenige Tage im Jahr. Viel Laub liegt auch schon auf dem Boden, vielleicht ist in ein paar Tagen alles schon wieder vorbei. Aber heute stimmt einfach alles. Wetter, Licht, Jahreszeit, Fahrzeug, Lust und Laune.

BMW R nineT Racer am großen Ahornboden.
Erleuchtung vom Himmel. Wenn’s hilft.

Satt sehen ist ungemein schwierig. Eigentlich müsste man jetzt noch weg von der Straße, ein paar Höhenmeter die Berge rauf. Das kleine Gepäck verhindert das aber. Und so bleibt der Blick vom Straßenrand, über Bach, Ahorn und Berg.

Biker in der Wiese am Ufer des Rißbachs
Da sitzt er und schaut in die Ferne.

Und irgendwann sattle ich dann wieder das Pferd. Zurück geht es über die zweite Mautstraße (4 Euro) der Isar entlang in Richtung Mittenwald / Walchensee. Ein einzelner Motorradfahrer teilt sich mit mir die Straße. Am Walchensee vorbei fahre ich über den Kesselberg nach Kochel. Der Kesselberg ist, oder besser war ein Klassiker und den Ausflugszielen der Motorradfahrer aus München. Mit entsprechendem Verkehr, Idioten und Unfällen. An Wochenenden ist er in südlicher Richtung gesperrt. Tempo 60, Radarkontrollen, zahlreiche Rüttelstreifen und Fahrbahntrenner tun ihr Restliches. Irgendwie macht das keinen Spaß mehr.

Abfahrt Kesselberg
Der Kesselberg kann vor lauter Rumble-Strips und Fahrbahntrennern bald nicht mehr laufen.

Aber was soll’s. Über die Autobahn geht’s zurück nach München.

Auf der Zielgeraden nach Hause hält ein LKW neben mir an einer Ampel. Der Fahrer schaut mich an und zeigt mir “two tumbs up”. Ich weiß nicht, ob er mein hübsches Retro-Motorrad, mein Outfit oder den Tag als solches meint. Aber es geht runter wie Öl. Und ist genau das Fazit dieser Tour.

Letzte Überraschung zuhause ist, dass meinem Mopped der rechte hintere Blinker fehlt. Nicht die Birne, nicht das Glas, sondern der ganze Blinker. Wie geht sowas? Wer ihn findet, bitte in den Kommentaren unten abgeben!

 

Die Tour:

 

GPX-Track Tour großer Ahornboden

 

Feierabendtour zum Plansee

Zwei Motorräder bei der Abfahrt

Das ist jetzt echt schon ein paar Tage her, aber immer noch einer Erwähnung würdig. Wenn auch mit Verspätung. Denn mr kommt jo zu nix!

Unverhofft kommt nicht oft und heißt heute Markus. Er ist zufällig in München, sitzt zufällig auf zwei Rädern und muss zufällig zurück nach Ulm. Das geht direkt. Oder auch nicht.

BMW R nineT und K100 bei der Abfahrt
Das kann unmöglich der gleiche Designer bei BMW gewesen sein.

Der Plan: Plansee. Der aufmerksame Leser dieser kleinen Motorrad-Kolummne weiß, wenn mir nix mehr einfällt, dann fahre ich da hin. Und meistens ist gesperrt. Heute nicht!

In München ist Sommer, spricht also gar nix dagegen mal abends noch kurz raus zu fahren. Mit jedem Kilometer nach Süden rückt jedoch eine Wolkenfront näher, und mit Ausblick auf die Zugspitze in dicht gehüllte Wolken und ein offensichtliches Regenband über Garmisch bin ich mehrfach geneigt, die A95 zu verlassen und den Markus halt doch nur auf geradem Weg zurück zu schicken. Ach, wird schon halten.

Zwei Motorräder am Plansee
Kein Plan für ne Tour? Dann fahr zum Plansee!

Und so ist es. Niemand ist uns im Weg und mit keinem teilen wir die wunderschöne Strecke durch den Ammerwald. Und Markus kannte sie nicht, ein doppelter Erfolg.

Fast mit dem letzten Licht des Tages kommen wir nach dem Plansee auf der Fernpass-Straße raus. Unsere Wege trennen sich. Ich fahre über Füssen und Schloss Neuschwanstein einmal quer bis Landsberg durch stockfinstere Nacht.

BMW R nineT Racer vor Schloss Neuschwanstein
Schloss Neuschwanstein in neuem Licht.

Ab der A96 schieße ich geradeaus zurück nach München. So ein Abendprogramm schreit nach Wiederholung.

Am Ende sind kurz mal knapp 260 km mehr auf der Uhr. Für so einen Feierabend keine schlampige Leistung!

257.9 km für eine Feierabendtour? Nicht schlecht!

Bitte alle, die mich am Abend zu einer Tour überreden könnten, melden. Der Überzeugungsaufwand hält sich in Grenzen!

FeierabendrundePlansee