Mit der #Racer an den #See. Teil 4: Zurück.

BMW R nineT Racer am Timmelsjoch vor dem Passmuseum

Genug fremde und eigene Kunst. Nicht jeder hat ewig Urlaub und so muss ich zurück nach München. Für die Rückfahrt habe ich nur einen Tag und vom See komme ich auch erst nach ausführlichem Frühstück und so weiter los. Und so ist der Plan erst einmal die Bahn.

Motorrad an der Gardesana
Noch ein letzter Stopp an der Gardesana. Es wehmütet sehr.

Vom See fahre ich die A22 bis Auer. Das macht Strecke, aber keinen Spaß. Runter von der Bahn komme ich am Kalterer See vorbei, durchaus verbunden mit Motorradgeschichte und -folklore. Die in Kaltern gestrandete CB750 seinerseits war aber vor den Zeiten der Internetblogs und so muss nur ich mich an diese schwierige Geschichte erinnern.

Blick über Weinreben auf den Kalterer See.
Kalterersee hinter Kalterer Weinreben. Oder wie man auch sagen könnte: vorne sauer, hinten kalt.

Den Mendelpass setze ich kurz an um zu merken, dass ich damit wieder in Richtung Süden komme. Da will ich ja gar nicht hin. Also zurück nach Norden, an Andrian vorbei und auf der anderen Talseite den Berg hinauf. Hier beginnt eine lange, kurvige und landschaftlich wunderschöne Strecke über Mölten, Vöran, Hafling (wer jetzt an Pferde denkt hat Recht) bis Meran.

Dort wird der Himmel dunkler und die Frage spannend: hinten bei St. Leonard links über das Timmelsjoch – bis gestern geschlossen – oder eben rechts in Richtung Jaufen- und Brennerpass.

Das Schild sagt “Timmelsjoch geöffnet” – juhuu! Also rauf auf den Pass.

Valöentino Rossi Helm am Timmelsjoch
Der Fahrer braucht schon wieder Kaffee. Hoffentlich hält das Wetter…

Es wird grauer, irgendwann hagelt es und die Straße im oberen Bereich der Passsüdseite ist nass. Dafür ist kaum jemand unterwegs.

Panorama an der Timmelsjoch-Südseite.
Schneekettenanlegeplatz.

Es tröpfelt. Kein Grund den Regenkombi aus dem gut verstauten Gepäck zu holen. Bald geht’s ja wieder runter und dann kommt der Sommer zurück. Ich will nicht zitiert werden.

Durch den Passtunnel hindurch offenbart sich die Nordseite. Mehr Regen (hört aber gleich auf), Wind, und Schnee. Etwas Schnee.

Motorrad auf freigefräßter Straße
Mit ausreichend hoher Bande sinkt das Risiko von Abstürzen auf ausgesetzten Passstraßen.
Motorradfahrer vor Schneewand
Wächst mir etwas über den Kopf, der Schnee.

Der Regen wird nochmals stärker, aber jetzt die Regenkombi anzuziehen wäre albern. Es geht ins Tal, und da wird die Sonne scheinen.

Timmelsjoch Passstraße mit Schnee
Die Parkbucht ist zu.

An der Mautstation zahle ich zähneknirschend oder -klappernd die 14 Euro für die einfache Fahrt.

Der Regen wird noch stärker und läuft bereits quer durch die Lederkombi. Aber jetzt anhalten, das wäre echt albern.

In Sölden sind meine Nerven dann durch. Also raus mit der Regenkombi. Alles ist klamm und nass. Aber jetzt bin ich schön in Gummi verpackt. Der Regen kann mich mal.

Nach 2 km ist die Straße trocken.

Dreckiges Motorrad
Wer hat das Motorrad dreckig gemacht?

Jetzt nur noch heim. Über Scharnitz und Mittenwald fahre ich zum Walchensee. Die Handgelenke tun weh, ich hab Hunger. Und so ein Wurschdsalat am See ist eine großartige Sache.

Motorrad am Walchensee
Motorrad vor See. Again.

Der Wurstsalat kommt, es beginnt zu regnen.

80 km später bin ich in München. Es war eine tolle Tour!

GPX Track zur Tour.

Mit der #Racer an den #See. Teil 1: Hin.

Mein Urlaub ist knapp, der der Familie weniger. So steht die Ausrede, bevor ich sie brauche. Die Familie fährt für eine Woche an den Gardasee und ich nur über’s Wochenende.

Wie komme ich da nur hin?

Mit dem Supersparpreis der Bahn kommen Sie überall hin. Mit der BMW R nineT auch. Vielleicht. In beiden Fällen.

Im Prospekt steht “das perfekte Reisemotorrad”. “Nehmen Sie soviel Gepäck mit, wie Sie wollen”. Nur eben bei der BMW 1250 GS. Und nicht auf der Seite der R nineT Racer. Egal, beweisen wir, dass es geht.

Schon das Gepäck ist eine Herausforderung. Der ach so sexy Bürzel ist das Gegenteil des Gepäckträgers. Nichts, was man mit ausreichend Spanngurten fixen könnte. Check.

Die Routenplanung ist die nächste Herausforderung. Langgestreckte, geduckte Haltung, viel Gewicht auf den Handgelenken. Kombiniert mit wetterbedingten Sperrungen in den ganzen Alpen? Ignorieren. Check.

Also los.

In der letzten Besprechung im Büro sitze ich bereits in leicht gestreckter Haltung am Besprechungstisch und schaue immer wieder nervös, ob das Gepäck hinter mir noch an Ort und Stelle sitzt. Für heute ist zwar nur noch die Anfahrt an die Berge im Programm. Aber eine Ankunft im Hellen wäre schön. Und wie lange diese Anfahrt am letzten Schultag vor den Pfingstferien dauert ist schwer abschätzbar.

So wähle ich eine vergleichsweise direkte Strecke (das Hahntennjoch mit seinen lächerlichen 1894 Metern ist wegen Schnee eh noch gesperrt. IM JUNI!) zu meiner Unterkunft im Unterengadin. Ohne weitere Störungen bin ich nach nicht mal vier Stunden da.

Sent, Schweiz. Alte Bauernhöfe in Traumkulisse.

Hin zu den Pässen.

Schnee wie selten in den Alpen zu Pfingsten, Klassiker wie das Stilfser Joch, der Gaviapass oder der Passo Crocedomini sind noch geschlossen. Und so wird es eine ganz andere Route als sonst.

Noch vor dem ersten Pass offenbart sich ganz unerwartet ein wunderschönes Stück Straße. Zwischen Scoul und Zernez schlängelt sich die Straße ganz ohne Verkehr dem noch mickrigen Inn entlang. Die Sonne scheint, die Temperaturen sind perfekt und die #Racer handelt wunderbar die harmonisch in das Tal gelegten Kurven entlang. So kann es weitergehen.

Ofen, sonstwo, Umbrail.

Den Tunnel nach Livigno lasse ich rechts liegen und fahre den Ofenpass hinauf. Vor ein paar Jahren hatten wir hier mächtig Spaß mit den beiden RRs. Heute, mit der #Racer, finde ich den Pass zwar landschaftlich immer noch atemberaubend, aber fahrtechnisch fast ein wenig langweilig. Zu wenig, zu weite Kurven. Aber Landschaft. Reichlich.

Eher versehentlich biege ich in Fuldera links ab. Der Bus vor mir will nicht recht aus dem Weg gehen und in  der Abzweigung steht ein Busse verboten Schild. Ein Zeichen. Und so schlängelt sich ein einspuriger Fahrweg ohne jeden Verkehr auf der linken Talseite bergauf. Sicherlich unnötige Höhenmeter. Aber darum geht’s ja schließlich.

Zwischen Fuldera und Santa Maria. Nur nicht in der Mitte sondern eher so nebendran.

Am höchsten Punkt offenbart sich ein Ausblick auf das was kommt. Auf der anderen Talseite schlängelt sich der Umbrail-Pass hinauf in Richtung Stilfserjoch.

Alle mit Lesebrille sehen auf der anderen Talseite den Aufstieg zum Umbrail-Pass. Alle anderen einen Helm im Rückspiegel.

Also runter nach Santa Maria im Münstertal und hoch in Richtung Umbrail. Auch hier erfreulich wenig Verkehr. Ein einziges Mal sauge ich mich hinter zwei alten BMWs fest, deren Heckscheibe die “250 € Challenge” ziert. So wie die Karren aussehen waren die für den Preis aber vollgetankt. Völlig unerwartet fahren nach wenigen Metern aber beide rechts ran und lassen mich vorbei. Umbrail for one.

Die Racer macht einen Heidenlärm den Berg hinauf. Die Straßenlage ist atemberaubend, lediglich die Gasannahme nach der Kehre ist etwas gewöhnungsbedürftig. Anders als die großen Schwestern aus dem Stalle BMW hat die R nineT kein E-Gas sondern einen guten alten Seilzug. Und der hat gerade soviel Spiel zwischen nix und Beschleunigung, dass zwischen Schräglage am Kurvenende und Beschleunigung auf die Gerade noch ordentlich Adrenalin passt. Gewöhnungssache. Aber noch nicht am ersten Pass.

Oben: Schnee.

Bitte jetzt nicht an den Straßenrand pullern.

Jemand war so freundlich das Umbrail Passschild auszugraben. Gerade noch Glück habe ich, als oben ein kleines Schild verkündet: Abfahrt bis Bormio nur bis 12:00 Mittag, danach wegen Lawinengefahr gesperrt. Es ist 11:20 Uhr. Also runter nach Bormio.

Mortirolo.

Einmal Mopped und Fahrer betanken,

R nineT Racer Fahrer: Verbrauch nach WMTC auf 100 km: 5,3 Espresso.

dann weiter auf bislang für mich völlig unbekannter Strecke, dem Passo Mortirolo.

Passo M…, ach lest selbst.

Schmale Straße, guter Fahrbahnbelag, meist durch den Wald aber mit immer wieder schönen Ausblicken in die benachbarte Bergwelt. Durchaus eine Entdeckung.

Das Leben ist eine Kurve.

Passo Tonale, Madonna die Campiglio

Von Ponte die Legno geht es klassisch weiter über den Passo Tonale. Die Heizerdichte nimmt wieder zu. Ich frage mich, warum die übelsten Fahrer alle schweizer Kennzeichen haben (dürfen die das zuhause nicht?) und warum diese mich auf der folgenden Strecke fünfmal überholen. Entweder die haben kein Navi oder einen noch höheren Espresso-Verbrauch als ich. Egal. Ich bin Genuß-Racer-Fahrer.

Vor Madonna di Campiglio male ich das Sternbild des wegen Straßensperrungen frustrierten Motorradfahrers in den GPX-Track

“Schnellste Route” stand auf der Packungsbeilage.

die Auffahrt nach Madonna di Campiglio entschädigt aber für die Umwege.

Espresso ist aus.

So langsam spüre ich die Kilometer in den Handgelenken. Touren auf der #Racer ist durchaus harte Arbeit.

Es sind aber auch nur noch ein paar Kilometer bis zum See. Ein mir bislang verborgen gebliebenes Sträßchen über Pranzo bringt mich mit vielen Kurven runter nach Garda. Dort brennt die Sonne und das Pfingstwochenende beschert mir ein Gefühl von München am Gardasee.

Gegen fünf komme ich an. Der Empfang ist herzlich (Familie) und bestätigend (“geiles Motorrad” vom benachbarten Balkon). Für heute stelle ich die #Racer auf den Parkplatz und mich in den Biergarten der Speckstube, dem wohl italienischsten Lokal am Gardasee.

Speckstube, authentic Italian food.

Den Rückweg vom Gardasee gibt’s bald an dieser Stelle. Stay tuned!

 

GPX-Track der Tour: Gardasee-Anfahrt

 

Bildergalerie der Gardaseetour: bei Flickr