Rebellischer britischer Adel. Oder: die Triumph Speed Triple 1200 RS (2021). Ein Fahrbericht mit der “Speedy”.

Motorradfahrer auf Triumph Speed Triple 1200 RS im Harz

Es ist 4 pm in Hinckley in der Grafschaft Leicestershire. Majestätisch erhebt sich das alt-ehrwürdige Adelshaus hinter dem akkurat geschnittenen englischen Rasen. Die polierte Teekanne mit dem exakt 2,5 Minuten gezogenen FTGFOP1-Darjeeling steht bereit, das Gebäck ist auf der Silberschale drapiert. Punkt 16:00 Uhr und 0 Sekunden ertönt das wohl gestimmte Glöckchen und ruft den Hausherren zum 4-Uhr-Tee.

Begleitet von einer Rauchwolke, mit ordentlich Heavy-Metall aus der Boom-Box, Lederjacke mit Nieten und Tattoo im Gesicht betritt dieser wenig später die Szene. Gießt sich erst einmal einen halben Liter Rum in den Tee und trinkt diesen dann mit elegant abgespreiztem kleinen Finger.

Ihr wisst schon vom wem ich spreche? Ich spreche von Speedy. Der neuen Triumph Speed Triple 1200 RS. Dem Rebellen unter den feinen englischen Motorrädern. Außen zornig, kräftig, agressiv. Technisch ausgefeilt, fein, edel. 4-Uhr-Tee eben.

Welcome

Nicht 4 pm, kein Vier-Uhr-Tee. Es ist ein sonniger Morgen in Oschersleben.

Schau mal, es regnet gar nicht.

Da steht sie, die Speedy, und schaut grimmig in die Welt. Die Augen schauen zornig, die Lenkerenden-Spiegel lassen sie aussehen wie ein böses Insekt. Der kurze, gedrungene Sitz, der leicht nach vorne gekippte Motor und der nach oben gezogene Auspuff lassen die Speed Triple aussehen, als würde sie gleich zum Sprung ansetzen.

Los jetzt. Foto: Triumph Motorrad Deutschland GmbH.

Ruhig, ruhig Kleine. Gleich geht’s los.

Motorradfahrer in der Boxengasse Oschersleben
Geht’s da lang? Auf Speedy. Fahren!

Technik

Insgesamt 180 PS und damit etwa 30 mehr als die Vorgängerin hat Triumph hier in den neuen, aber Triumph-typischen 12V DOHC 3-Zylinder Reihenmotor gepackt. 125 Nm bringt die Maschine auf die Straße, bei gerade einmal 198 kg Lebendgewicht. Damit spielt sie in der Klasse der BWM S1000 R, Ducati Streetfighter V4, Aprillia Tuono V4 1100 und Kawasaki Z H2 SE.

Dreizylinder unter Doppelrohr.

Das Aggregat steckt in einem Aluminium-Doppelrohrrahmen und bedient ein 17 Zoll Hinterrad an einer Einarmschwinge. Was nach Rennmaschine klingt ist ansonsten aber ein reinrassiger Roadster: kaum Verkleidung außer einem Kel unter dem Motor, selbst die Mini-Scheibe über dem Licht ist Sonderausstattung. Dazu ein Naked-Bike typischer Rohrlenker.

Bekannte Qualitätstechnik ist so verbaut, dass sie der interessierte Beobachter auch sicher nicht übersieht: das gelb-goldene Öhlins Federbein hinten, die Brembo Bremsen vorne.

Öhlins-Federbein in der Triumph Speed Triple 1200 RS
Indiskretes Federbein hinten

Dazu werkeln Kurven-Traktionskontrolle, Kurven-ABS und Wheely-Control im Hintergrund. Über dem Schalthebel ist ein Quickshifter zu sehen. Dafür kein Zündschloss und keine analogen Anzeigeinstrumente.

Fahren

Ein Dreizylinder ist ein Dreizylinder, ist ein Dreizylinder. Triumph hat schon den ein oder anderen Tag Übung damit. Aber der Motor in diese Maschine ist bisher die Krönung.

Die Speed Triple in natürlicher Umgebung. Foto: Triumph Motorrad Deutschland GmbH.

Der Motor entfaltet schiere Power und ist gleichzeitig leise, diszipliniert, beinahe unauffällig. Auf der Rennstrecke liefert die Maschine über den gesamten Drehzahlbereich enormen Schub. Es gibt keine charakteristische Drehzahl, ab der oder bis zu der sich Leistung und Drehmoment charakteristisch entfaltet. Von kleiner Drehzahl bis zu den 11.500 Umdrehungen / Minute ist der Schub stark und die Kraftentfaltung linear. Auf den ersten Runden tue ich mich schwer den richtigen Schaltpunkt zu finden, weil die entsprechenden Hinweise vom Motor fehlen. Glücklicherweise hilft der gut ablesbare Drehzahlmesser hier bei der Entscheidung.

Drehzahlmesser der Triumph Speed Triple 1200 RS

Benchmark ist der Quickshifter, der sowohl hoch wie runter butterweiche Schaltvorgänge erlaubt, ohne die Kupplung betätigen zu müssen. Fast schade, dass das Bike im normalen Betrieb über so weite Bereiche ohne Gangwechsel auskommt.

Die Bremsanlage ist brachial. Die Brembo-Bremsen packen beherzt zu und liefern bei der negativen Beschleunigung genau das, was der Motor vorher in positiver Richtung drauf gepackt hat. Wenn sie gerade nicht bremst neigt die Bremse aber auch gerne mal zum Quitschen. Ein Luxusproblem.

Eat this: Geschwindigkeitsreduktion bei Bedarf.

Auch auf der Landstraße zeigt sich die brachiale Gewalt dann nett verpackt. Ich verlasse versehentlich den Parkplatz im “Sport”-Modus, einem der fünf Fahrmodi, den die Maschine anbietet. Kombiniert mit den Schlaglöchern auf einigen sehr maroden Sträßchen im sachsen-anhaltinischen Umland und dem sehr direkten E-Gas der Triple erlebe ich den Straßenbelag mit prompten Beschleunigungs-Salven aus dem drehmomentstarken Motor. Aber versucht Ihr mal einen Grizzly-Bären sanft am Ohr zu kitzeln.

Im Modus “Road” mit mehr entspannter Hand entwickelt sich die Speedy aber schnell zu einem sehr komfortablem, extrem gut zu fahrenden Untersatz. Die Gasannahme ist immer noch spontan und giftig. Aber wer das mag findet hier ein wunderbar zorniges Spielzeug.

Triumph Speed Triple 1200 RS auf der Landstraße im Harz
Speed Triple 1200 RS in the wilde (Foto: highsidepr.com / Triumph Motorrad Deutschland GmbH)

Sicherlich eher auf der agilen Seite des Durchschnitts macht das Bike Überholmanöver einfach, benötigt aber eher den erfahrenen und kontrollierten Fahrer. Für Anfänger ist das Bike zu stark, zu direkt und zu verführerisch. Oder um es in den Worten unseres Tourenguide zu sagen: “Zwei mal schalten und der Lappen ist weg”.

Glücklicherweise hat Triumph aber auch etwas Dreizylindrisches für den ruhigeren oder weniger erfahrenen Motorradfahrer im Programm. Zur Street Triple aber an dieser Stelle später mehr.

Sehen

Das Design der 2021er Speed Triple 1200 RS ist eine konsequente Weiterentwicklung der Speed Triple Optik. Nach Einfach-Scheinwerfer in den ersten Modelljahren, den runden Doppelscheinwerfern der späteren Jahre ermöglicht die LED-Technik eine modern wirkende Version der Speed Triple typischen frei stehenden Doppelscheinwerfer.

Schau mir in die Augen Klein…. Aaaah, schnell weg. Da krieg ich Angst.

LED Technik auch im Heck erlaubt eine neue, besonders schlankere Optik auch von hinten. Die Kombination aus Einarmschwinge, den ins Heck integrierten LED Rücklichtern in angedeutetem “T” (oder ist es ein Vogel?) und dem extrem schlanken Nummernschild / Blinkerhalter wirkt sehr schick.

Schickes Heck. Das in der Mitte meine ich.

Insgesamt ist die Speed Triple sehr aufgeräumt. Triumph-typsisch ist das Design sehr “clean” – kaum ein Kabel oder Schlauch ist sichtbar, das meiste gekonnt unter der Oberfläche versteckt.

Bedienen

Triumph bietet für das Motorrad sein “My Triumph Connectivity” Paket an. Im digitalen Cockpit verstecken sich in Untermenüs Vorbereitungen für Navigation, Entertainment bis hin zur GoPro Integration.

Dank Lenkerenden-Spiegel lässt sich auch der Schlüssel für die Schlüssel-lose Bedienung gekonnt unterbringen (links).

Die Bedienung erfolgt, wenn das System einmal gestartet ist, über einen Joystick oberhalb des Blinkers und einer Menü-Taste auf der rechten Seite und ist nicht besonders intuitiv. Die Hauptanzeigen mit Drehzahlmesser und Tacho sind aber sehr übersichtlich und passen gut zum Bike.

Die Schlüssel-lose Bedienung, wie man sie von PKWs und auch anderen Motorradherstellern mittlerweile kennt, ist Geschmackssache. Ich weiß immer nicht wohin mit dem Schlüssel, wenn ich ihn nicht in ein Zündschloss stecken kann.

Fazit

Die Speed Triple 1200 RS ist ein straßenorientiertes und renntaugliches Hyper-Naked-Bike. Als sportliches Tourenbike ist es absolut für die Landstraße geeignet, braucht aber gute und erfahrene Biker, die gerne mal schneller reisen und mit der Kraft der Speedy umgehen können.

Ich jedenfalls bin glaube ich ein bisschen verliebt in das Motorrad…

Tourenplanung: Tagestour Berchtesgadenerland.

Es wird Sommer und die Grenzen sind immer noch zu. Was es jetzt braucht sind Tourenplanungen innerhalb der Landesgrenzen. Also los geht’s: wo war ich noch nie so richtig, zumindest mit dem Bike? Zum Beispiel im Berchtesgadenerland.

Berchtesgaden ist da, wo Deutschland ganz rechts unten bis nach Österreich hineinreicht. Sozusagen der Pandemie-gewordene innerdeutsche Ausflugszipfel ins Alpenland. Prädestiniert, für das was dieses Jahr geht und gehen muss.

Dazu gibt es die deutsche Alpenstraße. Diese geht von Lindau bis an den Königsee. Um das Revier an möglichst einem Tag unter die Räder nehmen zu können (Übernachtung? Aktuell nicht…) ist ein Einstieg so um den Chiemsee herum vielleicht sinnvoll. Das heißt die erste Stunde der Tour wäre mit der Anfahrt an den Chimsee, aus Effektivitätsgründen über die Autobahn A8 sinnvoll.

Dann ab nach Süden. Von Reit im Winkel bis Bad Reichenhall gibt es dann ausreichend Landschaft und einige Kurven auf der Alpenstraße zu sehen. Idealerweise macht man diese Strecke sicher nicht an einem sonnigen Wochenende im Sommer, denn da könnte auch das ein oder andere Fahrzeug unterwegs sein.

Von Bad Reichenhall geht’s in Richtung Ramsau. Ob der Hintersee tatsächlich zugänglich ist weiß ich nicht – wir werden sehen. Weiter geht es jedenfalls zum Königsee, auch hier werde ich wohl nicht allein sein. Aber wenn ich schon mal in der Nähe bin…

Östlich von Berchtesgaden kommt dann die berühmte Rossfeldpanoramastraße. Berühmt. Aber nicht bei mir. Deshalb das heimliche Ziel dieser Tour. Natürlich ist die Panoramastraße eine Mautstraße. Aber wenn sie nur halb so schön ist wie alle sagen muss ich da hin.

Danach wird die Tour ein wenig unbestimmter. Wiederum ab Berchtesgaden geht es entlang der Saalach. Ziel ist hier ausreichend oft von Hauptstraßen links oder rechts abzubiegen, bis Straße und Terrain interessant werden.

Auf der nördlichen Seite der A8 geht es dann langsam wieder zurück, über Teisendorf, Waginger See, nördlich des Chiemsee und Wasserburg, das ich auf einer der letzten Touren nur kurz besucht und gar nicht wirklich besprochen habe. Das wird nachgeholt.

Schauen wir mal, ob das ganze so wird wie geplant. Ich werde jedenfalls berichten. Hier.

Der Motorradfahrer schaut mal, ob die Tour wirklich gut wird. Vom Straßenrand ins Tal schaut er. Ob er es da wohl sieht? Ob es gut wird? Vielleicht muss er doch selbst hinfahren.

Die Routenplanung:

GPX-File für’s Navi als Download hier.

Vorbereitung:

Mangels einer Tourenpackliste (da kommt noch was…) nehme ich halt mal die für die Rennstrecke. Ganz aktuell kommt dazu:

  • FFP2-Maske
  • 12V-USB-Adapter (das braucht man für 30 Jahre alte Motorräder, damals war USB noch sowas wie Universeller Setz-Baukasten oder Universitäts- und Stadtbibliothek Köln – kein Witz mit “B” wie “Köln”. Ich habe das gerade mal für Euch gegoogelt)
  • Corona-Schnelltest, falls man den unterwegs als Nachweis für irgendwas braucht. Man weiß ja nie.
  • Ein nachgezogenes Lenkkopflager. LENKKOPFLAGER!! Das Ding macht mich fertig. Wird wohl zum Bestandteil jeder Packliste. Weil es sich doch noch etwas gesetzt hat.
  • Ein nachgefüllter Kettenöler.

Aber das war’s dann auch schon. Also ich könnte gleich los. Ach Mist, muss ja noch arbeiten.

Kreuzfahrt* durchs Glonner Umland.

*) ist ein Karfreitags-Kreuzweg mit dem Motorrad eine Kreuzfahrt? Mehr dazu weiter unten…

“Ab Mittag scheint die Sonne” – sagte die Wetterapp. Mehr auch dazu weiter unten. Leider erst ganz unten…

Ich habe alles drunter gezogen, was unter die Lederkombi passt. 10 Grad sind zwar nicht nichts, aber auf Dauer auch nicht viel. Und die Montur hält – für die ersten beiden Stunden. Ich starte in München, vorbei an der Messe, Entschuldigung: heutzutage eher Impfzentrum, winke kurz den Glücklichen, die bald wieder am echten Leben teilhaben dürfen. Unsereins fährt eben weiterhin Motorrad, alleine unter dem Helm, da kann nichts passieren. Wenn man nicht gerade an der falschen Stelle Pause macht. Gell, Herr Kettenritzel.CC?

Es dauert ein Weilchen, bis ich die Stadt hinter mir lasse. Hinter Zorneding werden die Straßen kleiner. Von der B304 abzweigend beginnen kleine, oft einspurige Straßen durch den Wald und über Felder. Hinter Buch taucht die Straße steil und kurvig in einen Landschaftseinschnitt, einen Bach mit Fischzucht am Ende. Kurze Zeit später fahre ich die Stichstraße zu “Maria Altenburg”, einer Wallfahrtskirche in der Nähe von Moosach hinauf.

Kreuzweg auf der Zufahrt zu Maria Altenburg. Ist ein Kreuzweg via Motorrad eine Kreuzfahrt?

Den Weg entlang ist ein Kreuzweg in alten Stein / Betonstehlen dargestellt, wie passend für den heutigen Feiertag.

Ich seh’ Dich!

An der Wallfahrtskirche ist entsprechend Betrieb, drum fahre ich gleich weiter. Die Strecke zwischen Moosach und Glonn ist gesperrt – beim zweiten Hinsehen glücklicherweise erst nach Einbruch der Dunkelheit – um die Kröten bei der Wanderung zu schützen.

Von Moosach nach Glonn. Nachts fahren um diese Jahreszeit hier nur Kröten.

Der Himmel wird immer grauer, und die Luft immer kälter. Langsam wird’s unangenehm. Ich überlege umzudrehen. Und erinnere mich an ein weiteres Kleidungsstück im Tankrucksack: einen alten, mehr löchrigen als ganzen Regenkombi. Aber mehr ist wieder einmal mehr. Also ran mit dem Ding.

Regenkombi-an-Mann. Heimlich fotografiert durch die GoPro am Bike…

So geht’s. Und das ist gut so. Die schönsten Straßen der Strecke kommen nämlich erst. Über Glonn und Percha geht’s weiter nach Feldkirchen. In der Nähe von Weyern kreuze ich die A8 und fahre weiter nach Süden. Es klart langsam auf. Die Berge kommen in Sichtweite. Immer noch Schnee-bedeckt, dank Reisebeschränkungen derzeit aber sowieso großenteils unerreichbar. Orte und Landschaften sind jetzt das typische Bilderbuch-Voralpenland.

Voralpenland. So sieht’s aus.

Die Strecke nach Sachsenkam schlängelt sich weiter durch die Landschaft, wunderbar zu fahren und ohne jeden Verkehr. Hier war ich schon einmal, vor gar nicht allzu langer Zeit.

So langsam kommt die Sonne raus. Die Gummipelle könnte also wieder runter…

Es ist Oberbayern, das katholische Oberbayern, das an jeder Ecke an den heutigen Karfreitag denken lässt…

Marterl.

Die Tour führt mich weiter auf bekanntem Terrain. Um Schäftlarn herum scheint dann wirklich die Sonne, wie vorhergesagt. Das Isartal bietet schließlich runter und rauf noch ein paar fahrenswerte Kurven,

Kurve. Von der #Veefer gern gesehen.

bevor ich dann nach Kloster Schäflarn zurück auf die Zielgerade in Richtung München komme.

Noch ein Motorradfahrer. Es waren nicht viele heute. War’s am Ende doch zu kalt?

Wie kalt es war, bemerkt man erst unter der warmen Dusche. Es dauert ein paar Minuten bevor alles wieder auf Betriebstemperatur ist.

Die Tour:

GPX-Route zur Tour: Download.

Mittelgebirgstour 2019: Thüringer Wald. Tag 2.

Kettenritzel und Motor8 vor den Bikes

Tag 1: siehe Mittelgebirgstour 2019: Thüringer Wald. Tag 1.

Es ist schon ein paar Tage her, aber erst jetzt komme ich dazu die Eindrücke vom zweiten Tag der Mittelgebirgstour zu kommentieren.

Von Bad Lobenstein gehts nach Norden zum eigentlich geplanten, aber ausgebuchten ersten Übernachtungsort, Ziegenrück. Auf den Booking-Seiten war das eher ein komisches Dorf, beim Durchfahren aber durchaus hübsch. Hier hätten wir es auch ausgehalten.

Wir waren ja schon einmal  in diesem Revier unterwegs, in etwas größerer Besetzung. Da ich sowas immer vergesse und mich über alles noch einmal freuen kann brauchte es schon bis zur Mühlenfähre bevor ich mich erinnere.

Motorräder auf der Fähre
Mühlenfähre damals (2014)…

Motorräder auf der Mühlenfähre
… und heute (2019).

Aber dieses Stück öffentlicher Nahverkehr ist so bemerkenswert, das vergisst man nicht.

Ab da versuche ich mehrfach vorauszufahren. Erfolglos. Spätestens an jeder zweiten Straßenkreuzung schickt mich das Navi im Helm in die falsche Richtung und so fährt der Herr Hauser vorbei und die ersten Stunden immer voraus. Wir umrunden den Hohenwarte Stausee. Die Straße ist kurvig, schön (und wie vielen an diesem Tag) holprig zu fahren. Immer wieder denke ich, lass uns anhalten und fotografieren. Und irgendwann sind wir über die Staumauer drüber und der See hinter uns. Stellt ihn Euch vor: schön, selbst kurvig wie eine Motorradtour. Und nicht fotografiert. Außer der Straße auf der Staumauer.

Straße auf der Hohenwarte Staumauer
Wunderschöner Stausee (links und rechts der Straße. Nicht im Bild.)

Es geht weiter über Leutenberg nach Großgeschwenda, hinter dem es einen ersten großartigen Ausblick über den Thüringerwald und seine Landschaft gibt.

Motorräder vor Landschaft
Motorräder vor Landschaft. Breitbild, wegen viel Landschaft.

Danach wird’s wild. Baustellen, Großeinsatzübungen der Polizei, willkürliche Streckensperrungen machen unser Tagesprogramm anders als geplant. Aber wir wollen Neues erleben und tun es.

Motorradfahrer im Rückspiegel dahinter Baustelle
Viel Stelle mit Baustelle .

Irgendwann sind wir zurück auf dem Rennsteig, der nicht etwa eine Motorradrennstrecke ist, sondern vielmehr ein alter Grenzweg, heute Fernwanderweg. Wir teilen uns die Strecke mit beschleunigten Wanderern. Ein Volkslauf/-fahrradrennen/-amstraßenrandrumstehen macht die kurvige Strecke zu einem Hindernisrennen. Entsprechend gemächlich sind wir unterwegs.

Wir kommen vorbei an Oberhof, bekannt aus den langatmigen  Wintersportübertragungen im Ersten. Indoor-Biathlonhallen und Sprungschanzen wirken im Sommer fast ein wenig wie die verlassenen Wintersportorte der Alpen abseits der Saison. Die Sprungschanze liegt direkt an der Straße, auf der anderen Straßenseite schließen sich noch (zugewachsene) Tribünenplätze an.

Tribünenseite der Oberhofer Sprungschanze
Ein Männlein sitzt im Walde, ganz still und stumm. Es hat vor lauter Purpur ein Helmchen auf.

Skisprungsschanze Oberhof
Wer mag?

Natürlich ist kurz nach der Schanze mal wieder Schluß weil Straße gesperrt. Via Zella-Mehlis kurven wir in einem Riesenschlenker weiter. Die Temperatur und die ständige Umplanung drücken mir ehrlich gesagt so langsam aufs Gemüt. Aber hilft ja nix.

In Bad Liebenstein ändert sich die Gemütslage schlagartig. Im Ort schon beginnt die Glasbach Rennstrecke. Anders als vor 5 Jahren gurken wir hier aber keinen Ren(n)tner-Autos hinterher sondern kommen flott um die wunderbar in den Hang gezogenen Kurven. Ein großes Fest. Leider ohne Bildmaterial, denn wenig zuvor haben die Thüringerwaldstraßenbeläge ihre Schuldigkeit getan und die GoPro von der Halterung vibriert. War eh ne alte.

Nach kurzer Pause und Stärkung erfreuen uns die nächsten Sperrungen und Sackgassenzeichen. In der Ferne zieht der Himmel bedrohlich zu und kurz vor Ankunft in Oberhof werden wir dann endlich auch noch einmal nass. Sauglatt sind die Bitumenstreifen auf den letzten gut ausgebauten Metern der L1128. Jetzt ist Konzentration angesagt, denn nach weit über 300 km und gut Kurven im Gebälk ist sicher ankommen die Devise.

Die Wahl der Unterkunft erweist sich als Glücksgriff. Die Wahl des Abendmahles als schwierig. Würzfleisch heißt die Devise. Aber mit nem Bierchen oder zwei tut das auch gut.

GPX vom Tag 2

Tag 2 aus Sicht von Alex findet Ihr hier.

Mittelgebirgstour 2019: Thüringer Wald. Tag 1.

SpeedTriple und Racer

Die letzten Jahre war Alpenblitz. Dieses Jahr ist der Urlaub knapp und die Tour mit dem Kettenritzel.CC muss zeitoptimiert, in unserem Fall an einem Wochenende stattfinden. Und da wir aus Berlin und München anreisen ist der beste Kompromiss die Mitte. Der Thüringer Wald. #Alpenblitz goes #Mittelgebirgstour.

An einem Freitag gegen vier komme ich endlich aus München los. Irgendwie bin ich im Motorradfahr-Modus. Trotzdem ist München noch im Feierabendverkehrsmodus. Und so verbringe ich die erste halbe Stunde nicht im Fahrtwind sondern im Stadtverkehr. Bei Touren dieser Art ist es immer wichtig auch einen gefühlsmäßigen Startpunkt zu haben. Von dem aus dann alles besser wird. Und 30 Minuten mittlerer Ring bei doch einigermaßen Hitze ist ein guter Startpunkt. Ab jetzt wird es besser.

Und so genieße ich sogar die erste Stunde Autobahn bis knapp hinter Nürnberg. Wenigstens rollt der Verkehr, der Fahrtwind tut gut und ich liege gut in der Zeit.

Dann muss ich aber runter von der Bahn. Bei Lauf an der Pegnitz fahre ich runter, die Landstraßen hier sind mir weitgehend unbekannt und erst mal unspektakulär. Doch bei Pottenstein tauche ich plötzlich in ein völlig unerwartet schönes Tal ab.

BMW R nineT Racer vor
Burg Pottenstein

Die Püttlach hat sich hier in das Land eingeschnitten und die Straße schlängelt sich dem kleinen Fluß entlang. Die Felsformationen am Rand sind schwer hübsch, und die Burg, die hoch auf einem der Steine sitzt könnte nicht malerischer im Abendlicht liegen.

Kurz nach dem Ort zweigt die Straße durch die Bärenschlucht ab.

Einfahrt Bährenschlucht
No Bears. No ned amol Gummibärs.

Ab hier bleibt die Strecke kurvig, die Landschaft ist zunehmend weniger besiedelt und die Straßen sind scheinbar nur für mich da.

BMW R nineT hinter Mohnblumen
Die #Racer im Mohnschein.

Auf der Höhe von Kronach fahre ich schließlich in den Frankenwald. Die Reserveanzeige geht an, also bei der nächsten Möglichkeit tanken. Tolle Straßen, tolle Kurven weit und breit. Aber keine Tankstelle.

Erst am Zielort für den ersten Tag, in Bad Lobenstein, gibt es eine Tanke mit Kartenautomat. 40 km sind also mindestens drin im Reservetank. Aber ein bisschen beunruhigend war’s schon.

Fast zeitgleich mit mir kommt Alex an unserem Hotel mitten im Ort an. Timing haben wir drauf.

SpeedTriple und RnineT auf dem Marktplatz in Bad Lobenstein
Sleep well dear motorcycles.

Es wird Abend, es wird Morgen. Nächster Tag.

 

GPX-Tracks: Mittelgebirgstour-Tag1, Tag 2 Tag 3

 

Mit der #Racer an den #See. Teil 4: Zurück.

BMW R nineT Racer am Timmelsjoch vor dem Passmuseum

Genug fremde und eigene Kunst. Nicht jeder hat ewig Urlaub und so muss ich zurück nach München. Für die Rückfahrt habe ich nur einen Tag und vom See komme ich auch erst nach ausführlichem Frühstück und so weiter los. Und so ist der Plan erst einmal die Bahn.

Motorrad an der Gardesana
Noch ein letzter Stopp an der Gardesana. Es wehmütet sehr.

Vom See fahre ich die A22 bis Auer. Das macht Strecke, aber keinen Spaß. Runter von der Bahn komme ich am Kalterer See vorbei, durchaus verbunden mit Motorradgeschichte und -folklore. Die in Kaltern gestrandete CB750 seinerseits war aber vor den Zeiten der Internetblogs und so muss nur ich mich an diese schwierige Geschichte erinnern.

Blick über Weinreben auf den Kalterer See.
Kalterersee hinter Kalterer Weinreben. Oder wie man auch sagen könnte: vorne sauer, hinten kalt.

Den Mendelpass setze ich kurz an um zu merken, dass ich damit wieder in Richtung Süden komme. Da will ich ja gar nicht hin. Also zurück nach Norden, an Andrian vorbei und auf der anderen Talseite den Berg hinauf. Hier beginnt eine lange, kurvige und landschaftlich wunderschöne Strecke über Mölten, Vöran, Hafling (wer jetzt an Pferde denkt hat Recht) bis Meran.

Dort wird der Himmel dunkler und die Frage spannend: hinten bei St. Leonard links über das Timmelsjoch – bis gestern geschlossen – oder eben rechts in Richtung Jaufen- und Brennerpass.

Das Schild sagt “Timmelsjoch geöffnet” – juhuu! Also rauf auf den Pass.

Valöentino Rossi Helm am Timmelsjoch
Der Fahrer braucht schon wieder Kaffee. Hoffentlich hält das Wetter…

Es wird grauer, irgendwann hagelt es und die Straße im oberen Bereich der Passsüdseite ist nass. Dafür ist kaum jemand unterwegs.

Panorama an der Timmelsjoch-Südseite.
Schneekettenanlegeplatz.

Es tröpfelt. Kein Grund den Regenkombi aus dem gut verstauten Gepäck zu holen. Bald geht’s ja wieder runter und dann kommt der Sommer zurück. Ich will nicht zitiert werden.

Durch den Passtunnel hindurch offenbart sich die Nordseite. Mehr Regen (hört aber gleich auf), Wind, und Schnee. Etwas Schnee.

Motorrad auf freigefräßter Straße
Mit ausreichend hoher Bande sinkt das Risiko von Abstürzen auf ausgesetzten Passstraßen.

Motorradfahrer vor Schneewand
Wächst mir etwas über den Kopf, der Schnee.

Der Regen wird nochmals stärker, aber jetzt die Regenkombi anzuziehen wäre albern. Es geht ins Tal, und da wird die Sonne scheinen.

Timmelsjoch Passstraße mit Schnee
Die Parkbucht ist zu.

An der Mautstation zahle ich zähneknirschend oder -klappernd die 14 Euro für die einfache Fahrt.

Der Regen wird noch stärker und läuft bereits quer durch die Lederkombi. Aber jetzt anhalten, das wäre echt albern.

In Sölden sind meine Nerven dann durch. Also raus mit der Regenkombi. Alles ist klamm und nass. Aber jetzt bin ich schön in Gummi verpackt. Der Regen kann mich mal.

Nach 2 km ist die Straße trocken.

Dreckiges Motorrad
Wer hat das Motorrad dreckig gemacht?

Jetzt nur noch heim. Über Scharnitz und Mittenwald fahre ich zum Walchensee. Die Handgelenke tun weh, ich hab Hunger. Und so ein Wurschdsalat am See ist eine großartige Sache.

Motorrad am Walchensee
Motorrad vor See. Again.

Der Wurstsalat kommt, es beginnt zu regnen.

80 km später bin ich in München. Es war eine tolle Tour!

GPX Track zur Tour.

Lost Places #1: Geisterkirche Thomasbach.

Honda VFR 750 F vor Thomasbach

Saisonstart. In den Bergen liegt noch Schnee, das weiß ich, da war ich gestern. Also bleiben wir erst einmal im Flachland. Da gibt es noch ein Ziel, das ich schon lange vor mir her schiebe: das Geisterdorf Thomasbach mit Kirche und Bauernhof irgendwo in Niederbayern.

Bike und Biker im Sonnenenaufgang
Belichtungstechnisch nicht optimal, würde ich sagen.

Es ist ein wunderschöner Morgen. Wie im April eben noch etwas kalt und feucht, aber mit jeder Minute gewinnt die Sonne an Kraft. Und in der aufgehenden Sonne ergeben sich auf dem Weg in den Münchener Osten ein Panorama nach dem anderen.

Honda VFR vor grüner Wiese
Neues Mopped vor 90er Jahre Wiese. Oder war das anders herum?

Da ich aber versprochen habe zum zweiten Frühstück zurück zu sein spare ich mir die meisten Fotos. Es sollten noch genügend folgen.

Zwischen Schlüpfing und Exing (kein Witz) liegt von der Straße aus gut sichtbar die Kirche und der Bauernhof Thomasbach. Die letzten Meter gehen zwar durch die Wiese, aber selbst mit einem Sporttourer sind Kirche und Bauernhof gut zu erreichen.

Kirche Thomasbach aus der Motorradperspektive
Wir bitten Sie vor der Aufnahme die Stiefelsohlen zu reinigen.

Kirche und Bauernhof stehen offen und sind gut zugänglich. Die Kirche ist viel größer als gedacht. Und tatsächlich seit längerem verlassen.

Motorrad vor der Geisterkirche Thomasbach
Mopped (links) und Kirche (rechts).

Ein paar Teelichter im Inneren zeigen, dass wohl gelegentlich ein paar Jugendliche die Ruhe nutzen. Aber heute bin ich der einzige Besucher hier.

Kirche Thomasbach von innen
Wenig Betrieb heute. Trotz Sonntag.

Der Altar steht noch im Altarraum, auch die alte, hölzerne Empore ist noch in Takt. Es zieht durch die teilweise offenen Fenster. Ein schöner Ort.

Die VFR in Thomasbach. #veefer #lostplaces

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Ein paar hundert Meter weiter steht der verlassene Bauernhof.

Motorrad vor Bauernhof Thomasbach. Der Fahrer schaut durchs Fenster.
Hallo, ist jemand zuhause?

Auch hier stehen alle Türen auf, ein alter Herd und die Reste eines Bettes stehen bzw. liegen in den Räumen, von deren Wänden schon lange der Putz blättert.

Eine Fülle von Fotomotiven ergeben sich aus der alten, zerfallenen Kulisse in Kombination mit dem blauen Himmel und der erwachenden Natur. Über eine Stunde verbringe ich an diesem Ort. Dann wird es langsam aber sicher Zeit für eine Rückkehr. Denn ein spätes zweites Frühstück nach 13:00 ist schon ganz schön spät.

Ach ja. Die Tour an sich? Schöne Nebenstraßen, mal kurvig, mal sehr gerade. Nicht spektakulär. Aber gut für den Saisonstart. Und in diesem Fall ist tatsächlich einmal das Ziel der Weg. Oder so.

Kirche Thomasbach gesehen durch die Felge der Honda VFR
Notiz an mich selbst: bitte nächstes Mal die Felge putzen.

Die Tour zum Nachfahren:

Click title to show track
Geisterkirche Thomasbach

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Indian Summer – der große Ahornboden leuchtet.

BMW R nineT Racer am grossen Ahornboden

Brückentag in Deutschland und zumindest ein Vormittag ohne Termine im Büro. Rauf auf die R nineT Racer, die sich sichtbar in der Tiefgarage langweilt. Der Tag startet in München mit strahlendem Sonnenschein, Google warnt bereits vor einsetzendem Regen am Nachmittag. Also Pulli an und los.

In Schäftlarn fahre ich von der Autobahn. Über einige Bäume wehen restliche Nebelfetzen. Als ich in Richtung Kloster das Isarufer hinabfahre bin ich plötzlich mittendrin. Frühnebel. Feucht. Kalt. Wunderschön.

Motorrad, Bodennebel bei Schäftlarn.
Brrrr. Noch kalt.

Auf der anderen Seite wieder rauf verlasse ich den Isar-Nebel. Herbstliche Farben leuchten in der Sonne. Und meine Mit-Brückentagler haben alle vergessen aufzustehen. Nix ist los auf den Straßen, die häufig noch nass und durch das Laub anständig rutschig sind. Also heute bitte anständig fahren, der Herr.

Motorradfahrer auf Allee in herbstlichen Farben.
Rollin’ durch den Herbst.

Nach Bad Tölz, Lenggrieß und einem Frühstück in einer kleinen Bäckerei in Fleck (dringende Bäckerei-Empfehlung auf der Durchreise nach Süden!) erreiche ich den Sylvensteinspeicher. Die Brücke über den Speichersee ist schwer pittoresk, mit den restlichen Wolken in den Bergen fast noch ein wenig hübscher als sonst.

Brücke über den Sylvensteinspeicher
Die Straße aus zahlreichen Auto-Werbeaufnahmen.

Nach dem Speichersee und Fall bleibt die Wahl zwischen zwei Mautstraßen. Die Entscheidung ist vorher schon gefallen, und die 3,50 Euro gut investiert. Rein geht’s in über Vorder- und Hinterriß nach Eng. Eine zunehmende Anzahl an geparkten Autos und Menschen mit großen Fotoapparaten säumen den Weg. Ich bereue bereits, das leichte Gepäck der Spiegelreflex-Kamera vorgezogen zu haben. Die Landschaft ist umwerfend schön. Alle paar Meter muss ich anhalten. Und staunen.

BMW R nineT Racer am grossen Ahornboden
Kitschig bunt. Mit Ansage.

Vermutlich gibt es diese Szenerie mit ihren bunten Farben nur wenige Tage im Jahr. Viel Laub liegt auch schon auf dem Boden, vielleicht ist in ein paar Tagen alles schon wieder vorbei. Aber heute stimmt einfach alles. Wetter, Licht, Jahreszeit, Fahrzeug, Lust und Laune.

BMW R nineT Racer am großen Ahornboden.
Erleuchtung vom Himmel. Wenn’s hilft.

Satt sehen ist ungemein schwierig. Eigentlich müsste man jetzt noch weg von der Straße, ein paar Höhenmeter die Berge rauf. Das kleine Gepäck verhindert das aber. Und so bleibt der Blick vom Straßenrand, über Bach, Ahorn und Berg.

Biker in der Wiese am Ufer des Rißbachs
Da sitzt er und schaut in die Ferne.

Und irgendwann sattle ich dann wieder das Pferd. Zurück geht es über die zweite Mautstraße (4 Euro) der Isar entlang in Richtung Mittenwald / Walchensee. Ein einzelner Motorradfahrer teilt sich mit mir die Straße. Am Walchensee vorbei fahre ich über den Kesselberg nach Kochel. Der Kesselberg ist, oder besser war ein Klassiker und den Ausflugszielen der Motorradfahrer aus München. Mit entsprechendem Verkehr, Idioten und Unfällen. An Wochenenden ist er in südlicher Richtung gesperrt. Tempo 60, Radarkontrollen, zahlreiche Rüttelstreifen und Fahrbahntrenner tun ihr Restliches. Irgendwie macht das keinen Spaß mehr.

Abfahrt Kesselberg
Der Kesselberg kann vor lauter Rumble-Strips und Fahrbahntrennern bald nicht mehr laufen.

Aber was soll’s. Über die Autobahn geht’s zurück nach München.

Auf der Zielgeraden nach Hause hält ein LKW neben mir an einer Ampel. Der Fahrer schaut mich an und zeigt mir “two tumbs up”. Ich weiß nicht, ob er mein hübsches Retro-Motorrad, mein Outfit oder den Tag als solches meint. Aber es geht runter wie Öl. Und ist genau das Fazit dieser Tour.

Letzte Überraschung zuhause ist, dass meinem Mopped der rechte hintere Blinker fehlt. Nicht die Birne, nicht das Glas, sondern der ganze Blinker. Wie geht sowas? Wer ihn findet, bitte in den Kommentaren unten abgeben!

 

Die Tour:

 

GPX-Track Tour großer Ahornboden

 

Tag 6: kleine Pässe, große Pässe und der unglaubliche Col de la Bonette

S1000R am Colle dell'Agnello

Briançon

Nach Gewitter und Starkregen am Vorabend erwacht Briançon im strahlenden Sonnenschein. Heute steht viel auf dem Programm. Der Reihe nach.

Col d’Izoard

Der Col d’Izoard ist mit seiner schroffen, verwitterten Landschaft ein beliebtes Motiv der Tour de France.

Motorrad am Col d'izzard
Huch, neuer Tankrucksack?

Mit seinem perfekten Straßenbelag und langgezogenen Kurven ist er direkt nach dem Frühstück ein großer Kurvenspaß. Bad News für Knieschleifer…

Dainese Knieschleifer
Och menno, ganz verkratzt.

Von 2360m geht es runter ins Tal des Guil, auf der Strecke, die sich Casse Déserte, das menschenleere Geröll nennt. Nachvollziehbar warum…

Col Agnel

Superlative gibt’s auf dieser Tour genug, und so überqueren wir mit dem Col Angel (französische Seite) bzw. dem Solle dell’Agnello (italienische) den höchsten Grenzpass der Alpen.

Motorradtacho und Strasse
Also mit 3000 Umdrehungen kommste dem nie hinterher.

Oben ist der Blick ob der Höhe (2744 m) atemberaubend und macht Hunger. Gut das Packesel Rolf eine kleinere Auswahl an Salami und weiteren Gerichten im Koffer hat.

Motorräder am Colle dell'Agnello
Wenn der Hauser da auch noch nen Aufkleber draufmacht ist das Schild voll

Insgesamt ist der Pass trotz seiner exponierten Höhe recht unbelebt und ruhig. Sehr angenehm zu fahren.

Colle di Sampeyre

Zurück in Italien kommen wir zunehmend langsam (abnehmend schnell?) voran. Der Rolle di Sampeyre ist zwar asphaltiert, aber nur knapp zweispurig. Oben treffen wir neben einer kleinen Ausstellung italienischer Verkehrsschilder

Motorrad vor Verkehrsschildern am Solle die Sampeyre
Kleines Museum italienischer Verkehrsschilder zur Ermunterung der zweiranfahrenden Besucher

einen vereinsamten Honda Transalp-Fahrer, der trotz mehrfacher Bestätigung unsererseits nicht glauben will, dass der Pass asphaltiert und nicht, wie er erwartet hat, geschottert ist. Am Ende schiebt er es darauf, dass er auf seiner Karte von hinten rum raufgefahren ist?! Dass oben die geschotterte Varaita-Maira-Kammstrasse die Passhöhe quert scheint ihm entgangen. Unseren GS Fahrern nicht. Aber sie benehmen sich.

Colle del Vallonetto, Colle Fauniera, Colle Valcavera

So langsam wird es sehr kleinteilig, die Straßen enger durch eine weiterhin einsame und aussichtsreiche Bergwelt. Auf der Südseite des Valcavera ärgert die Streckenführung etliche Male die Rennmaschinenfahrer, auch wenn wir zunehmend Übung in Schotter und rutschigem Untergrund bekommen. Irgendwann hängt die S1000R an zwei GS-Fahrern dran, die offensichtlich ebenso mit dem Untergrund hadern. Wir kommen alle unten an. Das zählt.

Die Temperaturen sind in den Dreißigern, wir alle gut im Saft und so trennt sich nach einem Kaffee die Gruppe. Während ein Teil direkt zurückfährt bleiben wir auf der ursprünglichen Route. Über

Isolla2000 und Isola

einem Wintersportort der französischen Seealpen mit dem typisch französischen Retorten-Flair  und seiner “Muttergemeinde” Isola nähren wir uns dem

Col de la Bonette

Nach drei Stichstraßen, die hier nicht zählen ist der Col, genauer genommen der Cime de la Bonette die höchste Straße der Alpen, vor dem Stilfserjoch, auf dem es Bekannterweise zugeht wie auf dem Ballermann für Motorradfahrer. Umso erstaunlicher ist, dass wir den Col de la Bonette nahezu für uns alleine haben. So für uns alleine, dass wir minutenlang, ungestört in einer Kurve Fotos der Motorräder, der Fahrer und der Kurventechnik machen.

Die Passhöhe liegt zwischen den beiden Gipfeln Cime de la Bonette und Cime des Trios Serrières. Um zur höchsten Straße zu werden zweigt von der Passhöhe noch eine Ringstraße um einen der Gipfel ab. Dieser bildet als schwarzer Kegel einen wunderschönen Aussichtspunkt über die französischen Seealpen.

Zwei Motorräder gegeneinander geparkt
Guten Tag. Ich bin die S1000R. Und ich die Tracer.

Blick vom Cime de la Bonette nach Süden
Seealpen soweit das Auge reicht.

Glücklich und sattsehen von der wunderbaren Bergwelt geht es zurück ins Tal…

und über den perfekt ausgebauten

Col de Vars

zur Unterkunft, wo die anderen mit kaltem Bier auf uns warten.

Was für ein Tag. Ungelogen sicher einer der längsten, schönsten und beeindruckendsten Tage auf zwei Rädern, die ich bisher erleben durfte.

Französische Seealpen. Bitte merken!

GPX File Tag 6

 

 

 

 

 

 

 

Palm-Hallertau

Palmsonntag, Frühling und die Kinder im Legoland. Ich bin dann mal für ein paar Minuten draußen.

Ein Kollege aus der Regensburger Zeit lässt sich überreden und so fahre ich ausnahmsweise nicht nach Süden in die Berge sondern nach Nordosten in die Hallertau und weiter in den bayrischen Wald.

Nimmt hier der amerikanische Geheimdienst Kontakt den Außerirdischen auf?

Bekannt für seine Hopfenfelder ist die Landschaft darüber hinaus geprägt von kleinen Dörfern, relativ flachem Land und keinen Sträßchen. Schnell voran kommt man nicht und wieder finden die Strecke auch nicht. Schon blöd, das jemand (Schuld ist immer jemand. Nicht ich) den GPX Tracker aus oder womöglich gar nicht erst eingehalten hat… Damit gibt es heute leider keinen Track zum Nachfahren.

Motorrad in Tarnfarbe vor Kirschblüte

Die Kirschen blühen, die Sonne scheint. Und die Landbevölkerung feiert allerorten Feste. Am Adlersberg geraten wir mittelabsichtlich in ein Starkbierfest.

Die neongelbe Leuchtboje möchte auf dem Fest bitte nicht verloren gehen

Natürlich harmonieren Motorrad und Starkbier nur bedingt,

Auf welchem Helm ist dieser Bierkrug zerschellt?

so dass wir kurze Zeit später den Rückzug antreten. 8 Stunden später laufe ich wieder zuhause ein. 10 Minuten vor den Legoland Besuchern. Glück gehabt.