Mittelgebirgstour 2019: Thüringer Wald. Tag 2.

Kettenritzel und Motor8 vor den Bikes

Tag 1: siehe Mittelgebirgstour 2019: Thüringer Wald. Tag 1.

Es ist schon ein paar Tage her, aber erst jetzt komme ich dazu die Eindrücke vom zweiten Tag der Mittelgebirgstour zu kommentieren.

Von Bad Lobenstein gehts nach Norden zum eigentlich geplanten, aber ausgebuchten ersten Übernachtungsort, Ziegenrück. Auf den Booking-Seiten war das eher ein komisches Dorf, beim Durchfahren aber durchaus hübsch. Hier hätten wir es auch ausgehalten.

Wir waren ja schon einmal  in diesem Revier unterwegs, in etwas größerer Besetzung. Da ich sowas immer vergesse und mich über alles noch einmal freuen kann brauchte es schon bis zur Mühlenfähre bevor ich mich erinnere.

Motorräder auf der Fähre
Mühlenfähre damals (2014)…
Motorräder auf der Mühlenfähre
… und heute (2019).

Aber dieses Stück öffentlicher Nahverkehr ist so bemerkenswert, das vergisst man nicht.

Ab da versuche ich mehrfach vorauszufahren. Erfolglos. Spätestens an jeder zweiten Straßenkreuzung schickt mich das Navi im Helm in die falsche Richtung und so fährt der Herr Hauser vorbei und die ersten Stunden immer voraus. Wir umrunden den Hohenwarte Stausee. Die Straße ist kurvig, schön (und wie vielen an diesem Tag) holprig zu fahren. Immer wieder denke ich, lass uns anhalten und fotografieren. Und irgendwann sind wir über die Staumauer drüber und der See hinter uns. Stellt ihn Euch vor: schön, selbst kurvig wie eine Motorradtour. Und nicht fotografiert. Außer der Straße auf der Staumauer.

Straße auf der Hohenwarte Staumauer
Wunderschöner Stausee (links und rechts der Straße. Nicht im Bild.)

Es geht weiter über Leutenberg nach Großgeschwenda, hinter dem es einen ersten großartigen Ausblick über den Thüringerwald und seine Landschaft gibt.

Motorräder vor Landschaft
Motorräder vor Landschaft. Breitbild, wegen viel Landschaft.

Danach wird’s wild. Baustellen, Großeinsatzübungen der Polizei, willkürliche Streckensperrungen machen unser Tagesprogramm anders als geplant. Aber wir wollen Neues erleben und tun es.

Motorradfahrer im Rückspiegel dahinter Baustelle
Viel Stelle mit Baustelle .

Irgendwann sind wir zurück auf dem Rennsteig, der nicht etwa eine Motorradrennstrecke ist, sondern vielmehr ein alter Grenzweg, heute Fernwanderweg. Wir teilen uns die Strecke mit beschleunigten Wanderern. Ein Volkslauf/-fahrradrennen/-amstraßenrandrumstehen macht die kurvige Strecke zu einem Hindernisrennen. Entsprechend gemächlich sind wir unterwegs.

Wir kommen vorbei an Oberhof, bekannt aus den langatmigen  Wintersportübertragungen im Ersten. Indoor-Biathlonhallen und Sprungschanzen wirken im Sommer fast ein wenig wie die verlassenen Wintersportorte der Alpen abseits der Saison. Die Sprungschanze liegt direkt an der Straße, auf der anderen Straßenseite schließen sich noch (zugewachsene) Tribünenplätze an.

Tribünenseite der Oberhofer Sprungschanze
Ein Männlein sitzt im Walde, ganz still und stumm. Es hat vor lauter Purpur ein Helmchen auf.
Skisprungsschanze Oberhof
Wer mag?

Natürlich ist kurz nach der Schanze mal wieder Schluß weil Straße gesperrt. Via Zella-Mehlis kurven wir in einem Riesenschlenker weiter. Die Temperatur und die ständige Umplanung drücken mir ehrlich gesagt so langsam aufs Gemüt. Aber hilft ja nix.

In Bad Liebenstein ändert sich die Gemütslage schlagartig. Im Ort schon beginnt die Glasbach Rennstrecke. Anders als vor 5 Jahren gurken wir hier aber keinen Ren(n)tner-Autos hinterher sondern kommen flott um die wunderbar in den Hang gezogenen Kurven. Ein großes Fest. Leider ohne Bildmaterial, denn wenig zuvor haben die Thüringerwaldstraßenbeläge ihre Schuldigkeit getan und die GoPro von der Halterung vibriert. War eh ne alte.

Nach kurzer Pause und Stärkung erfreuen uns die nächsten Sperrungen und Sackgassenzeichen. In der Ferne zieht der Himmel bedrohlich zu und kurz vor Ankunft in Oberhof werden wir dann endlich auch noch einmal nass. Sauglatt sind die Bitumenstreifen auf den letzten gut ausgebauten Metern der L1128. Jetzt ist Konzentration angesagt, denn nach weit über 300 km und gut Kurven im Gebälk ist sicher ankommen die Devise.

Die Wahl der Unterkunft erweist sich als Glücksgriff. Die Wahl des Abendmahles als schwierig. Würzfleisch heißt die Devise. Aber mit nem Bierchen oder zwei tut das auch gut.

GPX vom Tag 2

Tag 2 aus Sicht von Alex findet Ihr hier.

Mittelgebirgstour 2019: Thüringer Wald. Tag 1.

SpeedTriple und Racer

Die letzten Jahre war Alpenblitz. Dieses Jahr ist der Urlaub knapp und die Tour mit dem Kettenritzel.CC muss zeitoptimiert, in unserem Fall an einem Wochenende stattfinden. Und da wir aus Berlin und München anreisen ist der beste Kompromiss die Mitte. Der Thüringer Wald. #Alpenblitz goes #Mittelgebirgstour.

An einem Freitag gegen vier komme ich endlich aus München los. Irgendwie bin ich im Motorradfahr-Modus. Trotzdem ist München noch im Feierabendverkehrsmodus. Und so verbringe ich die erste halbe Stunde nicht im Fahrtwind sondern im Stadtverkehr. Bei Touren dieser Art ist es immer wichtig auch einen gefühlsmäßigen Startpunkt zu haben. Von dem aus dann alles besser wird. Und 30 Minuten mittlerer Ring bei doch einigermaßen Hitze ist ein guter Startpunkt. Ab jetzt wird es besser.

Und so genieße ich sogar die erste Stunde Autobahn bis knapp hinter Nürnberg. Wenigstens rollt der Verkehr, der Fahrtwind tut gut und ich liege gut in der Zeit.

Dann muss ich aber runter von der Bahn. Bei Lauf an der Pegnitz fahre ich runter, die Landstraßen hier sind mir weitgehend unbekannt und erst mal unspektakulär. Doch bei Pottenstein tauche ich plötzlich in ein völlig unerwartet schönes Tal ab.

BMW R nineT Racer vor
Burg Pottenstein

Die Püttlach hat sich hier in das Land eingeschnitten und die Straße schlängelt sich dem kleinen Fluß entlang. Die Felsformationen am Rand sind schwer hübsch, und die Burg, die hoch auf einem der Steine sitzt könnte nicht malerischer im Abendlicht liegen.

Kurz nach dem Ort zweigt die Straße durch die Bärenschlucht ab.

Einfahrt Bährenschlucht
No Bears. No ned amol Gummibärs.

Ab hier bleibt die Strecke kurvig, die Landschaft ist zunehmend weniger besiedelt und die Straßen sind scheinbar nur für mich da.

BMW R nineT hinter Mohnblumen
Die #Racer im Mohnschein.

Auf der Höhe von Kronach fahre ich schließlich in den Frankenwald. Die Reserveanzeige geht an, also bei der nächsten Möglichkeit tanken. Tolle Straßen, tolle Kurven weit und breit. Aber keine Tankstelle.

Erst am Zielort für den ersten Tag, in Bad Lobenstein, gibt es eine Tanke mit Kartenautomat. 40 km sind also mindestens drin im Reservetank. Aber ein bisschen beunruhigend war’s schon.

Fast zeitgleich mit mir kommt Alex an unserem Hotel mitten im Ort an. Timing haben wir drauf.

SpeedTriple und RnineT auf dem Marktplatz in Bad Lobenstein
Sleep well dear motorcycles.

Es wird Abend, es wird Morgen. Nächster Tag.

 

GPX-Tracks: Mittelgebirgstour-Tag1, Tag 2 Tag 3