#Alpenblitz 2020: Erzgebirge – 3. und letzter Tag.

Die Erzgebirgstour ist bereits seit vier Wochen Geschichte, und der Tag 3 noch nicht erzählt. Lohnt das noch? Oder viel gravierender: erinnere ich mich noch? Ich versuch’s. Und bitte verzeiht mir die ein oder andere Erinnerungslücke. Oder den verklärten Blick in die Vergangenheit. Tag 1 und Tag 2 waren da etwas zeitnäher und gibt es zum Nachlesen etwas weiter vorne im Blog.

Der dritte Tag unserer Tour führt uns auf der deutschen Seite von Hohnstein zurück in Richtung Hof, wo sich unsere Wege trennen werden. Noch jedoch trennt uns ein ganzer Tag von dieser Trennung. Und dieser verspricht großartig zu werden. Die Wettervorhersage passt, die Streckenvorhersage ist vielversprechend und die Laune beim Frühstück gut.

Die Tour beginnt mit der Abfahrt von Burg Hohnstein. Durch Gänge und Hofzufahrt spuckt uns das alte Gemäuer wieder auf neue Landstraßen.

Motorradfahrstraßen in Ostdeutschland.
Tschüss Burg.

Die Abfahrt von Hohnstein beginnt wunderbar kurvig – bis wir vor einem Motorrad-Verboten-Schild stehen und statt der weiter kurvigen Wartenbergstraße die Umfahrung über Hohburkersdorf nehmen müssen. Was soll’s. Auf vergleichsweise geraden Kreis- und Bundesstraßen fahren wir bis Pirna. Es schließt sich Seidewitztal an. Die Straßen sind trocken und winden sich dem Fluss entlang.

Nach Glashütte kommen wir nochmals an einen Grenzübergang. Der Koffeinspiegel ist wieder gefährlich niedrig, die Tankstelle direkt nach der Grenze bereits bekannt.

Tankstellen bitte in Schräglage verlassen.

Wir fahren ein weiteres Mal an der Talsperre mit dem unaussprechlichen Namen vorbei, um kurz darauf in Deutschgeorgental wieder über die Grenze zu fahren. Dort überqueren wir und fahren dann entlang der Talsperre Rauschenbach.

Alex hat uns hier irgendwo mit zwei Bekannten verabredet: mit Antje und Ronny, zwei Locals, die wenigstens wissen wo es hier lang geht.

Hier irgendwo. Aber wo genau ist irgendwo?

Jetzt zu viert statt zu zweit fahren wir weiter entlang der deutsch-tschechischen Grenze durch das Natzschung-Tal. Sehr erfreulich, wie kurvig so eine Grenze ausfallen kann.

Huch, plötzlich drei vor mir?!
Bitte rechts.

An der Wolfsgrüner Gulaschkanone (www.kanone.info) machen wir Mittag. Ich vermute mal, alleine wären wir hier vorbei gefahren und oben am Touri-Hotspot verköstigt worden. So ist es besser und es geht gestärkt hinauf zum offensichtlichen Biker-Treff Talsperre Eibenstock.

Vorne vier Moppeds. Rechts drei Altglascontainer.

Antje und Ronny versorgen uns noch mit Koffeein und wichtigen Hinweisen zur noch anstehenden langen Rückkehr in den Süden. Ich befolge die Tipps und fahre anders als die letzten Male nicht die gerade und viel befahrene A9 in Richtung München sondern nehme den kleinen Umweg über die A93 und Regensburg. Das Wetter ist gut, die Strecke angenehm leer und für eine Autobahn vergleichsweise interessant. Sicher die bessere Alternative.

Am Ende wird es ein Tag mit mehr als 550 km auf der Uhr. Wieder einmal eine Supertour.

Wann fahren wir wieder?

Die Erzgebirgetour gibt es übrigens auch sprachlich hochwertig, mit schönen Bildern und angewandtem Wortwitz bei kettenritzel.cc.

#Alpenblitz 2020: Erzgebirge – 2. Tag.

Nach der Anfahrt am Vortag geht es heute entlang der deutsch-tschechischen Grenze nach Osten. Das Wetter sieht er so unbestimmt aus. Alex fährt schon in Regenpelle los, ich warte noch ein paar Meter, sollte aber bald auch in den Genuss kommen.

Vom Frühstück in unserem Schwanen fahren wir in Richtung Osten, mitten hinein ins Vogtland. Die Straßen sind wunderbar schmal, alle noch nass. Aber so fahren wir die ersten Kilometer südlich von Plauen in Richtung Schöneck und tschechische Grenze

Mit einem Traktor wären wir hier auch nicht falsch.

In Sachsenberg-Georgenthal fahren halten wir an um von einer Anhöhe (wohl den Sachsen) einmal in Ruhe ins Tal (wohl den Georgen) zu blicken, satteln wieder die Moppeds und biegen zwei Querstraßen später völlig unverhofft in die Tschechei ab. Ein blaues Schild informiert uns darüber. Irgendwie hatten wir uns einen Grenzübergang prominenter vorgestellt. Es lebe Schengen, auch in diesem Jahr des Virus und der dazugehörigen Grenzschließungen.

Wir kurven ein wenig durch den tschechischen Wald, bis dieser endlich eine Hochebene, die Přebuzské vřesoviště (ich empfehle den Google-Übersetzer…), freigibt. Wiesen und nur einzelne versprengte Bäume weit und breit.

Direkt hinter der tschechischen Grenze beginnen die schottischen Highlands.

Dazwischen Wasser. Überall Wasser. Von oben als Regen, von der Straße als Gischt. Daneben als über-die-Ufer-getretene Rinnsale. Eine bezaubernde, menschenleere Kulisse.

Es geht weiter nach Osten, teilweise wieder durch Wald.

Wasserstraße. Nicht im ursprünglichen Sinn. Aber so ähnlich.
Hier geht’s nach rechts. Rechts! Anderes rechts!!

Der Regen nimmt zu. Wir verfahren uns. Irgendwo zwischen Albertamy und Bozi Dar brauchen wir eine Pause vor dem Regen. Wir nutzen die in Tschechien reichlich vorhandene Wartehäuschen Infrastruktur. Wir haben alles gesehen. Bushaltestellen mit reichlich bestückten Bücherregalen. Ganze Wartesäle. Der von uns gewählte Unterstand ist eher etwas baufällig, aber dennoch trocken. Wir warten, beklagen die Gesamtsituation und fahren ohne Verbesserung zwanzig Minuten später weiter.

Hinter Gittern? Nein, wir waren anständig und nicht zu schnell.

Von Bozi Dar fahren wir – weil das so geplant war – auf den Klinovec, der höchsten Erhebung im Erzgebirge auf tschechischer Seite. Der Ausblick ist traumhaft, windig und feucht.

Fahrt auf den Berg – da habt Ihr die beste Aussicht. Haben sie gesagt.

Den Fichtelberg auf der anderen Seite der Grenze mit seinen weiteren 199 Höhenmetern sparen wir uns. Über die Wolken schaffen wir es heute wohl eher nicht.

Kurz vor Chomutov legen wir eine Pause ein. Geplant war Kaffee und ein kleines Mittagessen, geworden sind es Kola und eingeschweißter Sandwich von der Tanke. An der wohl zugigsten Stelle in ganz Europa. Wir verstauen unser Sternemenü und fahren ins Tal. Dort hört es tatsächlich das erste Mal auf zu regnen. Wir setzen uns in einen Park und breiten die nassen Regenklamotten vor uns aus. Ich leere meine Schuhe aus. Die Stiefel scheinen wasserdicht zu sein. Von innen. Leider vergessen wir beide diese Schlüsselszene unseres Ausflugs zu fotografieren. Bitter.

Weg. Nach dort.

Es bleibt weitgehend trocken. Auf dem Weg zur Talsperre Údolní nádrž Fláje sind die Straßen schmal und trotzdem mit gutem Tempo befahrbar.

Dort.

Der Damm selbst ist nicht befahrbar. Wir fahren einmal hinunter ins Tal des Abflusses und auf der anderen Seite wieder hoch.

Auf dem Reisemotorrad fährt es sich ganz angenehm.

Wir queren noch einige Male die Grenze, jedes mal ohne großes Aufheben. Bezeichnend für jeden Grenzübergang ist die ungewöhnlich gute Tankstellen und Einkaufsinfrastruktur auf der tschechischen Seite, die wir gerne nutzen um den Kaffeepegel wieder aufzufrischen.

Ab Hemmschuh bleiben wir auf der deutschen Seite.

Wo bleibt er denn?

In der Nähe von Altendorf fahren wir nochmals durch ein Tal – in der Talsohle liegt Großdorf-Kohlmühle. Ein bestimmt siebenstöckiges Backsteingebäude steht direkt vor uns, eine Industrieruine, verlassen und dem Verfall gewidmet.

Kohlmühle. Heute jedoch nicht mehr.

Auf der anderen Talseite geht es noch einmal späktakulär bergauf,

Hier geht es spekakulär bergauf.

dann erreichen wir bald den Zielort des heutigen Tages: Burg Hohnstein. Nach dem Stiefelbier

Stiefelbier steigt einem in den Helm.

beziehen wir unser Quartier. Erst schleppen wir unser ganzes Gepäck mühsam in den Burghof. Dort erfahren wir, dass Motorräder hoch erwünscht sind. Wir dürfen an allen Verbotsschildern vorbei bis in den Burghof fahren und parken dort prominent über Nacht.

Schlaf gut. Du auch. Ich liebe Dich. Du auch.

Nur das Abendessen wird wieder zur Herausforderung. Auch in Hohenstein macht alles um 20 Uhr dicht. Und mit alles meine ich alle drei Gasthäuser. Von denen zwei keinen Platz für uns haben. Am Ende sind wir aber erfolgreich.

Hohenstein. Von der Burg aus gesehen.

Übrigens gibt’s in den Jugendherbergen kein Bier. Hätte man wissen können.

Bald mehr zum dritten und letzten Tag der Tour.

#Alpenblitz 2020: Erzgebirge

Sollen wir oder sollen wir nicht? Die Wettervorhersage sagt nichts Gutes vorher. Egal welche, ganz gleich wie oft man drauf schaut. Am Tag vorher sieht es so aus, als würde der Norden nass, der Süden vielleicht nicht. Also los.

Dann ist Freitag. In München regnet es wie aus Eimern. Noch einen halben Tag Homeoffice.

Mittag. Es regnet. Naja, ein paar EMails noch.

13 Uhr. Es regnet. Noch ein gemütliches Mittagessen mit der Familie. Und Kaffee.

14 Uhr. Es regnet. Verflixt, wir fahren in den Osten, da machen alle Unterkünfte und Gaststätten um 20 Uhr zu! Es hilft nix. Rein in die Pelle und rauf auf die Straße. Wird schon nicht so schlimm werden.

Goes well with Highheels stand im Katalog unter der Regenkombi.

Zuerst heißt es Strecke machen, zu viel Zeit mit EMails, Mittagessen und Kaffee verbummelt. Die A9 teile ich mir in 100km Abschnitte ein. Alle 100km einen weiteren Kaffee, dann ist die Strecke gar nicht mehr so weit. Immer wieder täuscht das Wetter ein Ende des Regens an. Macht dann aber doch weiter.

Blaue Regenwolken? Wo gibt’s das denn?

Bei Pegnitz wird die Autobahn schließlich trocken. Runter von dem Ding. Das Navi, auf “kurvige Route” gestellt, führt mich entlang der Autobahn – Kurve unten durch, Kurve oben drüber.

Nach Bad Berneck komme ich erneut auf eine kleine Nebenstraße, die mitten durch den Steinbruch “Diabasabbau” führt.

Motorrad+Biker
Als es im Steinbruch noch trocken und das Motorrad noch hübsch war. Archivbild.

Nach dem Steinbruch beginnt es wieder zu regnen. Das Navi leitet mich weiter über Waldwege durch kleine und kleinste Dörfer, bis ich irgendwann an einer Kreuzung mit drei Durchfahrt-Verboten Schildern stehe. Es ist das Ende der Welt. Die einzige Option ist zurück. Ich liebe klare Entscheidungen.

Von Rudolphstein nach Sparnberg quere ich die Saale.

Auf dem Holzweg ist es rutschig.

Auf der anderen Seite ist Thüringen, hier war also vor Kurzem noch die innerdeutsche Grenze. Die Brücke über den Fluss gab es wahrscheinlich damals schon. Die ist so rutschig, dass eine Überquerung sicherlich damals schon ausgeschlossen war. Ich schaffe das trotzdem.

Geduldig wartet das Motorrad am Wegesrand. Der Fahrer hatte zuvor alle 100km einen Kaffee getrunken.

Wenige Kilometer vor dem Ziel in Mühltroff gibt das Wetter noch einmal alles. Blitze zucken über den Horizont, die Straße wird wieder nass. Zeit für die Ankunft. Die Unterkunft habe ich gebucht. Geschmack war schon immer meine Stärke.

Grün.

Wie letztes Jahr kommen Alex und ich fast zeitgleich aus unterschiedlichsten Himmelsrichtungen an. Vielleicht fahre ich deshalb so gerne Touren mit ihm. Timing ist einfach alles.

Route Tag 1, Regenpassagen in blau.